Ein angestellter Buchhalter, der auch zu Haus Berufsarbeiten erledigt, hat sich eine Schreibmaschine für 280 Mark gekauft, die er mit Recht in voller Höhe als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt hat. Das Finanzamt verlangte jedoch, daß er diesen geringen Betrag nach § 20 Abs. 2 Ziffer 4 der Lohnsteuerdurchführungsverordnung jährlich abschreiben sollte. Das Finanzgericht Münster entschied in einem inzwischen rechtskräftigen Urteil (EFG 1967 S. 283) jedoch zugunsten des Buchhalters.

Nach dem klaren Wortlaut des Gesetzes sind Aufwendungen eines Arbeitnehmers für Arbeitsmittel ohne Rücksicht auf ihre Höhe als Werbungskosten absetzbar. Freilich wird auch die Ansicht vertreten, daß Arbeitsmittel, die üblicherweise länger als ein Jahr verwendet werden, jährlich abzuschreiben sind. Diese Ansicht findet im Gesetz aber keine Stütze, selbst wenn sie vom Bundesfinanzhof vertreten wird.

Deshalb erklärten die Münsteraner Finanzrichter, daß Arbeitnehmer meistens nur solche Arbeitsmittel anschaffen, die nicht viel kosten, so daß eine Aufteilung der Aufwendungen auf mehrere Jahre sowohl dem Steuerpflichtigen wie den Finanzämtern unnötige Arbeit verursachen würde. Auch wegen der Überlastung der Finanzämter und dem Mangel an Arbeitskräften in den Ämtern ist eine so engherzige und für den Steuerzahler nachteilige Gesetzesauslegung unzweckmäßig.

Im übrigen gebietet das Gleichheitsgebot des Grundgesetzes, daß Arbeitnehmer das gleiche Recht zusteht, das Einkommensteuerpflichtigen gewährt ist, nämlich geringfügige Wirtschaftsgüter bis zur Höhe von 800 Mark pro Gegenstand von der Steuer in voller Höhe abzusetzen, nicht aber auf Jahre verteilt abzuschreiben.

Nach den Feststellungen des Bundesfinanzministers zahlen Arbeitnehmer jährlich rund 1 Milliarde zuviel an Lohnsteuern, weil sie ihre steuerlichen Rechte nicht ausschöpfen.