Das Verbandswesen ist um ein Mitglied reicher geworden. In Essen hat sich ein „Verband der Anlageberater e. V.“ (VAB) etabliert. Seine Mitglieder sind auf freiberuflicher Basis mit der Beratung über Kapitalanlagen beschäftigt. Dieser Berufsstand ist jung in der Bundesrepublik; bisher wurden seine Aufgaben weitgehend von den Kreditinstituten wahrgenommen. Mit dem Eindringen ausländischer Wertpapierfonds in die Bundesrepublik verloren sie ihr Monopol; denn die Ausländer mußten sich zunächst ausschließlich auf eigene Vertreterorganisationen stützen.

Ihr Aufbau war mühevoll; zwangsläufig griff man in erster Linie auf „Verkaufskanonen“ zurück, die ihre Tüchtigkeit bereits im Abschließen von Lebensversicherungs- und Bausparverträgen oder im Verkauf von Staubsaugern und ähnlichen Verbrauchsgütern unter Beweis gestellt hatten. Jetzt wird der Versuch unternommen, den Berufsstand gesellschaftlich aufzuwerten. Er soll gleichberechtigt neben die Steuer- und Rentenberater treten.

Aber noch kann wohl von einer wirklichen Beratungstätigkeit kaum die Rede sein. Jene Leute, die sich Anlageberater nennen, sind meist nichts anderes als Provisionsvertreter für bestimmte Kapitalanlagegesellschaften, deren Papiere sie zu verkaufen wünschen. Das muß wissen, wer sich von ihnen „beraten“ läßt. kw