Auf Anordnung des Bundesaufsichtsrats für das Kreditwesen hat das Hamburger Bankgeschäft Heitmann & Co seine Schalter schließen müssen. Den Komplementären Jürgen Herlof Schürmann und Kurt Henneberg ist die Erlaubnis zum Betreiben eines Bankgeschäftes entzogen worden. Henneberg ist alleiniger Abwickler, denn Schürmann hat inzwischen für sein persönliches Vermögen sowie über das seiner Firma (er ist nebenher noch Haus- und Finanzmakler) das Konkursverfahren beantragen müssen. Ob bei dem Bankgeschäft Treuhandgelder veruntreut worden sind, ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht übersehbar.

Mit Heitmann & Co verliert das deutsche Bankwesen sicherlich keine Perle. Das Geschäftsvolumen lag zwischen 5 und 6 Millionen Mark. Nach dem Tode des grundsoliden Bankiers Heitmann im Jahre 1964 – er betrieb fast ausschließlich Effekten-Kommissionsgeschäfte – ging das Geschäft an Schürmann über, der – selbst kein Bankier – sich mit Baufinanzierung sowie Hypothekenvermittlung beschäftigte. In der Vergangenheit war das sicherlich ein lukratives Geschäft, aber die Flaute auf dem Baumarkt hat die Situation grundlegend gewandelt. Kredite würden schwach, die Einleger, denen das nicht verborgen blieb, zogen ihre Gelder ab. Jetzt läuft der Antrag auf ein Vergleichsverfahren.

Zur Zeit wird von Hamburger Privatbankiers überlegt, ob nicht wenigstens die Inhaber von Sparkonten von jedem Schaden freigestellt werden sollen. Das würde nicht einmal 300 000 Mark kosten und dem Ruf des Privatbankiersstandes gut tun. Schließlich war Heitmann & Co Mitglied des Vereins Hamburger Privatbankiers e.V. und auch Mitglied der Hanseatischen Wertpapierbörse.

Der Feuerwehrfonds des privaten Bankgewerbes ist für diesen Fall nicht zuständig, weil er eingreift, bevor eine Firma in Schwierigkeiten gerät. Schürmann hatte den Fonds schon vor Monaten alarmiert, aber war nicht bereit, die Bedingungen zu erfüllen, die an eine Hilfe geknüpft waren.

Schürmann war im Bankgewerbe ein krasser Außenseiter, als solcher wurde er auch stets empfunden. Seine Börsenmitgliedschaft diente zur Aufpolierung des Firmenschildes. Börsengeschäfte hat seine Firma kaum gemacht. Aber das war vorauszusehen. Dennoch hat man ihn in Hamburg zur Börse zugelassen. „Was sollten wir tun, nachdem er von der Aufsichtsbehörde die Zulassung erhalten hatte?“ wird jetzt geklagt. Dazu die Gegenfrage: Enthebt die amtliche Firmenzulassung bereits die Börse von der Prüfung, ob man neue Männer zum Mitglied haben will oder nicht? Die Zulassungsbehörde muß dem Gesetz folgen, die Börse kann sich ihre Satzungen selbst geben und sie so streng gestalten, daß unerwünschte Elemente ferngehalten werden. Nicht die große Zahl ihrer Mitglieder ist für eine Börse wichtig, sondern ihre unbedingte Seriosität. K. W.