Das Automobil – überall hat es Eingang in unser Leben gefunden. Es kann helfen, es kann verletzen. Es kann retten, es kann töten. Es kann Menschen zusammenführen. Es kann die Menschen zu Rowdies machen. Es kann die Wirtschaft aufblühen oder dahinsiechen lassen. Unbemerkt blieb bislang, daß das Automobil auch noch anderswo seinen Einzug gehalten hat: in der Kunst – diese Sätze stellte der ADAC einer kleinen Ausstellung „Das Auto in der Kunst“ voran, mit der er in seinem Pavillon die Frankfurter Automobilausstellung ergänzt. Der nachstehende Beitrag beschäftigt sich mit der noch direkteren Ausübung der Kunst am Auto und der Frage: „Wie weit darf der Besitzer sein Auto verändern?“

Begegnen zwei Damen einander in gleichen Kleidern, womöglich noch in solchen, die, da angeblich einmalige Modelle, sehr teuer waren, ist das meistens beiden Damen peinlich. Und sonderbarerweise sind sie dann nicht nur auf den Couturier böse, nein, auch aufeinander. Was mit Vernunft nichts zu tun hat, vielmehr eine Art von Reflex zu sein scheint.

Wie anders ist es, wenn Männer oder auch Frauen einander begegnen, die dasselbe Automodell fahren. Natürlich – der Wagen ist ihnen nicht als einmalig, nicht als Unikum verkauft worden. Aber das allein erklärt nicht die liebevolle Art, mit der die Autobrüder (und -schwestern) einander und den Wagen des anderen ansehen.

Noch vor einigen Jahren erlebte ein Autofahrer auf Deutschlands Straßen, wenn er nicht gerade einen der häufigsten Wagentypen fuhr, daß ihm der Wagenbruder zublinkte, zuhupte, zuwinkte. Gleich und Gleich entboten einander auf diese Weise Grüße.

Die meisten Autoverkäufer lassen ihre Wagen wie sie aus der Fabrik kommen. Doch sieht man mehr und mehr individuell zurechtgemachte, farbigere. Meistens sind es junge Leute, die ihre Autos möglichst auffällig verändern. Mancher, der sich erwachsener fühlt, denkt sich: Was ist an den Karren, die diese Jungen fahren, schon zu verderben? Sollen sie sie doch gestreift, gefleckt und buntkariert bepinseln, Beulen zärtlich zur Zierde ausmalen. Sollen sie ruhig die unvermeidlichen schwarzen Silhouetten-Hände als Abziehbild auf die Kotflügel kleistern! An einem perfekten Automobil ändert doch kein Vernünftiger etwas!

Doch ist es beim Jugendulk nicht geblieben, nicht dabei, daß Kleinwagenbesitzer ihre Fahrzeuge „Mucki“, „Weibchen“ oder „Spatz“ taufen und die Namen in Chrom fein leserlich anbringen. Einer der Beatles hat seinen Rolls Royce mit süßen Blumen verziert, vermutlich, um ihn für ein Love-in passend zu verkleiden. Er hatte sich damit doch wohl an einem der heiligsten Güter seiner Nation vergriffen. Durfte er das? Er durfte.

Das aber kann einem Bundesbürger keineswegs so leichthin die Überzeugung verleihen, daß er, täte er Ähnliches mit einem Mercedes, es nicht mit dem Wagenschöpfer zu tun bekäme. Man argwöhnt hierzulande meistens eher, daß etwas verboten, als, daß es erlaubt ist. Und tippt dabei ja auch in den wenigsten Fällen falsch.