Moneir Nasr: Mineralölwirtschaft im Nahen Osten, Schriftenreihe des Forschungsinstituts der Friedrich Ebert Stiftung, Verlag für Literatur und Zeitgeschichte, Hannover 1967, 165 S., 29,– DM

Die Wirtschaft der nahöstlichen Ölländer „zeichnet sich durch einen beträchtlichen Mangel an Kapital und unternehmerischer Intelligenz sowie durch ein Überangebot an Bodenschätzen und ungelernten Arbeitskräften aus. Die wirtschaftliche Entwicklung des Nahen Ostens bedarf also der Zufuhr ausländischen Kapitals, das sich weitgehend auf den Ölsektor konzentriert. Eine ständige Expansion der Ölindustrie ist deshalb von erheblicher Bedeutung für die Nah-Ost-Länder.“

Der damit verbundene wachsende Einfluß der internationalen Mineralölkonzerne stößt in den ölexportierenden Ländern auf immer härteren politischen Widerstand. Das gibt „zu der Befürchtung Anlaß, daß als Gegenmaßnahme der Ölländer eine Verstaatlichung der Gesellschaften erfolgen könnte. In der Ölindustrie wäre ... dieser Schritt bei den gegenwärtigen Verhältnissen nicht ohne schwerwiegende Folgen möglich. Gegenwärtig ist kaum mit staatlichen Eingriffen zu rechnen, zumal von den ölproduzierenden Staaten des Nahen Ostens der Ölabsatz und -transport nicht in rationeller Art... übernommen werden könnte. Die begrenzten wirtschaftlichen und technischen Möglichkeiten lassen eine reibungslose Übernahme der Mineralölindustrie nicht zu und auch nicht wünschenswert erscheinen.“

Manchmal kommen die Ereignisse einem Autor entgegen und geben seinem Buch bei Erscheinen eine Aktualität, die bei der Niederschrift noch nicht zu erahnen war. So geschah es mit Moneir Nasrs „Mineralölwirtschaft im Nahen Osten“, einer Studie, die im energiewirtschaftlichen Institut der Universität Köln entstand.

Die kriegerischen Ereignisse im Nahen Osten und die damit verbundene zeitweilige Liefersperre der arabischen Staaten hat das Interesse für den Kampf um die Ölquellen und Absatzmärkte geweckt. Dem Leser vermittelt die Untersuchung Nasrs zahlreiche Informationen über die Geschichte der Ölwirtschaft im Nahen Osten, die politische Bedeutung und Machtstellung der Konzerne in den verschiedenen Ländern, die Rolle des Nah-Ost-Öls in der Energieversorgung und den Einfluß der Mineralölwirtschaft auf das wirtschaftliche Wachstum der Förderländer. Zahlreiche Karten sowie Tabellen über die Gewinne der Ölgesellschaften, die Einkünfte der Produktionsländer, die Herkunft der leitenden Angestellten, Rohölförderung, Investitionen und so weiter geben dem Buch neben dem sachlich gehaltenen Text den informativen Gehalt.

Angesichts der politischen Ereignisse in den vergangenen Monaten und der bisher ziemlich mageren Literatur über die Ölwirtschaft der nahöstlichen Länder, des Machtkampfes um die Ölquellen und den Einfluß der Mineralölförderung auf die wirtschaftliche Entwicklung der Exportländer kommt dem vorliegenden Buch eine erhöhte Bedeutung zu. Die nüchterne Analyse und die Berücksichtigung der wirtschaftlichen Zusammenhänge hebt es vorteilhaft von manchen anderen .Veröffentlichungen ab. Problematisch ist allerdings in einigen Fällen die Zuverlässigkeit des angeführten Quellenmaterials.

mj.