Franz Josef Strauß lud sie ein, setzte sie an einen Tisch, ließ sie die Hände reichen und sich versöhnen. Axel Springer wand sich zwar, aber Professor Holzamer, Chef des Mainzer Fernsehens, war’s zufrieden und ließ sich in einem Brief des Hamburger Verlegers bestätigen, daß dieser es bedaure und mißbillige, „wenn bei den vor längerer Zeit gegenüber Ihrer Anstalt geführten Recherchen auf unserer Seite Fehler unterlaufen sind“. Mit dieser vagen Entschuldigung gedachte Axel Springer die „Spitzel“-Affäre aus der Welt zu schaffen, die vom „Spiegel“ publiziert, von der ZEIT und anderen Blättern aufgegriffen und nie dementiert wurde: Der Hamburger Verleger, im Verein mit seinem Justitiar, hatte Schnüffler engagiert, die mit Minox-Kameras bewaffnet – die Mainzer Fernsehanstalt durchleuchten und „Material sammeln“ sollten. Die Schnüffel-Affäre bleibt indes auf der Tagesordnung; der Presserat wird sich mit ihr in Kürze befassen.

Axel Springer brauchte diese „Versöhnung“. Denn die Angriffe auf seine Machtposition im bundesdeutschen Blätterwald (31 Prozent aller Tageszeitungsauflagen) wurden in letzter Zeit heftiger, und sie blieben nicht ohne Wirkungen. Vier Berliner Verleger waren nicht mehr länger bereit, mit ihm gemeinsam eine private Fernsehgesellschaft zu betreiben.

Aber besonders den jüngsten Angriff galt es für den Hamburger Verleger zu parieren. In Bonn trat am Wochenende die sogenannte Lücke-Kommission zusammen, die im Juni von der Bundesregierung eingesetzt worden war. Ihre Aufgabe lautete, die Konzentration und die Meinungsfreiheit im Pressewesen zu untersuchen. Sie sollte prüfen, worauf die wirtschaftliche Notlage bei vielen Zeitungsverlagen zurückzuführen sei; sie sollte – so Minister Lücke – „Diagnose stellen und Therapie vorschlagen“.

Mit Diagnose und Therapie, die jetzt in einem Vorbericht der Bundesregierung gestellt und vorgeschlagen werden soll, war Kommissionsmitglied Axel Springer nicht einverstanden. Zudem hegte er auch gegenüber dem Chef der Kommission, Eberhard Günther – Präsident des Bundeskartellamtes – ein Vorurteil. Er warf ihm mangelnde Objektivität vor und teilte Minister Lücke vorige Woche mit, er werde nicht mehr länger in der Kommission mitarbeiten.

Als oberster Beamter der Kartellbehörde ist Günther durch Gesetz verpflichtet, ein Auge auf Konzentrationsbewegungen zu werfen. In dem letzten Jahresbericht seiner Behörde hatte er bereits angedeutet, was auch in dem Kommissionsbericht anklingt: „Die Untersuchungen führten zu dem Ergebnis, daß ein Unternehmen (gemeint war Springer) über marktbeherrschende Stellungen auf den Märkten für überregionale Straßenverkaufszeitungen und für überregionale Sonntagszeitungen verfügt. Auf regionalen Teilmärkten hat dieses Unternehmen nicht nur in Teilbereichen marktbeherrschende Stellungen, sondern im Gesamtbereich des Zeitungswesens eine dominierende Position. Die marktstarke Stellung des Unternehmens im gesamten Pressewesen erfährt eine weitere Verstärkung durch systematische Ausdehnung des Produktionsprogramms auf nahezu alle Bereiche des Pressewesens. Dieser Konzentrationsprozeß sollte nicht einseitig unter betriebswirtschaftlichen Aspekten gesehen werden. Die Aufrechterhaltung einer größeren Zahl unabhängiger Unternehmen auf diesem Sektor ist nicht nur für die wettbewerbliche Struktur, sondern auch für die freie Meinungsbildung von Bedeutung.“

Und Günther war es auch, der im August vorigen Jahres in einem Brief an den Spiegel schrieb: „Ich teile die meisten Ihrer Bedenken in bezug auf das Wachsen des Hauses Springer, jedenfalls soweit es die gesellschaftspolitische Seite angeht.“

Eindeutig auf das Hamburger Presse-Imperium zielte schließlich auch der Antrag eines Kommissionsmitgliedes, an die großen Zeitungs- und Zeitschriftenverlage zu appellieren, bis Ende 1968 keine neuen Konzentrationsmaßnahmen einzuleiten und keine neuen Verlagsobjekte zu starten. Darüber hinaus wird die Bundesregierung gebeten, die Konzentrationsbewegung zu beobachten, ihre Vereinbarkeit mit Artikel 5 des Grundgesetzes – er garantiert die Meinungsfreiheit – zu untersuchen und gegebenenfalls gesetzliche Maßnahmen zur Begrenzung der Gesamtauflagen vorzubereiten.