US-Verteidigungsminister McNamara hat den Bau eines Sperrwalls entlang des 17. Breitenkreises in Vietnam angekündigt, der das Einsickern nordvietnamesischer Truppen nach Südvietnam erschweren soll.

Der Plan ist nicht neu. Die Amerikaner hatten bereits im April dieses Jahres eine zehn Kilometer lange Bresche in den Dschungel geschlagen, um sich an der entmilitarisierten Zone freies Schußfeld zu verschaffen. Die neue „McNamara-Linie“ ist freilich als viel komplexeres Warnsystem gedacht, das „alles – vom Stacheldraht bis zu hochempfindlichen elektronischen Geräten“ enthalten soll. Sie soll sich von der pazifischen Küste bis zur laotischen Grenze ausdehnen.

Das Pentagon veranschlagte die Kosten auf einige hundert Millionen Mark. 15 000 Soldaten sollen als Wachtruppe genügen. Kritiker schätzen die Kosten jedoch auf 12 bis 20 Milliarden Mark. Sie befürchten, daß die McNamara-Linie 250 000 bis 300 000 Soldaten binden wird. Ihr Haupteinwand: Die Infiltration aus dem Norden sei solange nicht zu stoppen, wie der elektronische Zaun nicht nach Westen über die laotische Grenze hinausgeführt werde. Erst dann könne der entscheidende Nachschubweg Nordvietnams – der sogenannte Ho-Tschi-Minh-Pfad – angeschnitten werden (siehe Karte).