Die unfreiwillige Entwicklungshilfe der ganzen Welt für die USA beläuft sich nach einer Schätzung der Vereinten Nationen auf vier Milliarden Dollar jährlich. So hoch schätzt man den Wert, der von Jahr zu Jahr in die USA einwandernden Techniker, Ärzte und Naturwissenschaftler aus aller Welt.

Die Europäer zerbrechen sich seit Beginn des Jahres den Kopf: Wo liegen die Gründe für die Massenflucht der Eierköpfe, was können wir tun?

Im Rekordjahr 1963 wanderten insgesamt 5933 Wissenschaftler in die USA ein: 4101 Ingenieure, 1688 Naturwissenschaftler und 231 Soziologen und Ökonomen. Im Jahre 1964 waren es insgesamt nur noch 5762. Die vorläufigen Zahlen für 1965 und 1966 lauten 5500 beziehungsweise 5400.

Für die Amerikaner ist diese geistige Entwicklungshilfe lebenswichtig: 27 Prozent aller amerikanischen Krankenhausärzte kommen aus dem Ausland und ebenso zehn Prozent aller Ingenieure. An amerikanischen Hochschulen beenden jährlich rund 45 000 Ingenieure ihr Studium, doch man braucht 75 000. Ein Viertel aller Nobelpreise, die von 1907 bis 1961 in die USA gingen, wurden an Forscher ausländischer Herkunft verliehen. Nur 3,4 Prozent der Amerikaner in der jeweiligen Altersgruppe sind (mit europäischem Maßstab gemessen) als Hochschulabsolventen zu bezeichnen. Somit stehen die USA kaum besser da als die Bundesrepublik, die mit drei Prozent Hochschulabsolventen das Schlußlicht unter den großen Industriestaaten ist. In Frankreich beträgt der Anteil der Absolventen 5, in Großbritannien 5,2 und in der UdSSR sogar 8 Prozent. Bis 1970 soll der Anteil der Hochschulabsolventen in den USA nach einer Schätzung auf 4 Prozent steigen. Aus diesen Gründen sind die USA mit ihrem großen Bedarf an Forschungspersonal auf ausländische Spezialisten angewiesen.

Die meisten Emigranten in den Jahren 1962 bis 1964 kamen aus Großbritannien (3253), Asien (2457) und Deutschland (1275). Aus der Bundesrepublik wandern jährlich 8,2 Prozent aller Hochschulabsolventen (Wissenschaftler und Ingenieure) ins Ausland ab.

Das Infratest-Institut, München, ermittelte mit einer Umfrage, warum Physiker ins Ausland streben: schlechte Bezahlung, keine Koordination innerhalb und zwischen den Instituten, unsachliche Verteilung der Aufgaben, umständliche Verwaltung, Zwang zu unwissenschaftlichen Arbeiten. rod.