1. Frage: Ende Juni zogen Sie auf dem 4. Schriftstellerkongreß Parallelen zwischen der Haltung Hitler-Deutschlands gegenüber der Tschechoslowakei im Jahre 1938 und der Haltung der arabischen Staaten gegenüber Israel. Die offizielle Antwort auf diese Kritik sollen zwei gegen Sie polemisierende Artikel in „Rude Pravo“ gewesen sein. Stimmt das?

Kohout: Ja, wenn Sie es auch ein bißchen vereinfacht darstellen. Ich habe wirklich über diese historische Parallele gesprochen, aber es war viel komplizierter, weil ja auch die Lage komplizierter ist und man sie nicht vergleichen kann; einfach, weil sich die Geschichte nicht wiederholt. Eines möchte ich noch sagen: Die offizielle Antwort, wie Sie es nennen, die habe ich gelesen, und ich halte es für ganz normal, daß man mir antwortete. Ich bin nämlich der Meinung, daß – wenn eine Gesellschaft funktioniert, dann haben beide, sowohl die Bürger als auch die Regierung die Möglichkeit, sich über die Probleme zu äußern. Und ich kann nie sagen, daß ich allein die Wahrheit gepachtet habe. Ich finde es also ganz normal, daß man gegen mich polemisiert, solange ich auch selber das Recht habe, mich über die Sachen zu äußern, über die ich mich äußern will.

2. Frage: Ladislav Mnačko hat unlängst die ČSSR verlassen, um in Israel ein Buch zu schreiben. Diese Reise sollte gleichzeitig ein Protest gegen die „einseitige Beurteilung der Wirklichkeit“ sein. Hat Mnačko auf dem 4. Schriftstellerkongreß ebenfalls protestiert?

Kohout: Über Mnačkos Reise nach Israel habe ich leider nur in den Zeitungen gelesen. Das passierte zu einer Zeit, als ich bereits hier in Hamburg war, um den „Schwejk“ zu inszenieren. Ich muß aber sagen, daß ich die ganze Geschichte kaum verstehe, denn ich habe Ladislav Mnačko auf unserem letzten Kongreß, wo man über alle Probleme offen und heftig diskutierte, wirklich nicht gehört. Er hat sich einfach nicht zu Wort gemeldet. Und wenn es der Wirklichkeit entspricht, was ich hier und bei uns gelesen habe, dann ist es eine Sache, die ich kaum begreifen kann. Für mich ist es eine große Enttäuschung, denn nach meiner Überzeugung muß ein Bürger, der wirklich etwas erkämpfen will – wenn ich schon nicht von einem Schriftsteller spreche –, dann muß er es vor allem und nur zu Hause tun.

– 3. Frage: Ein anderer Schriftsteller – Ludvik Vačulik, Mitglied der kommunistischen Partei und Angehöriger des Redaktionskollegiums von „Literarni Noviny“ – hat auf diesem Schriftstellerkongreß deutlich seine Meinung gesagt: Welche Meinung vertrat er? Und welche Reaktion rief seine Äußerung hervor?

Kohout: Sie müssen entschuldigen, aber weil es sich um eine Ansprache handelte, liegt es wirklich nicht in meinen Kräften, diese Rede wiederzugeben. Nennen wir sie „eine Philosophie der Macht“, und zwar jeder Macht, also nicht nur der sozialistischen. Es war die Ansprache eines Menschen, der große Angst davor hat, daß sich der Faschismus im Westen und der Stalinismus im Osten wiederholen könnten. Er sprach ungefähr 45 Minuten, und es wäre unfair von mir, wenn ich diese große Rede vereinfachen würde. Die Reaktion war vielschichtig. Es gab Leute, die begeistert waren, und es waren Leute dabei, die empört waren. Die meisten aber, und das möchte ich betonen, waren der Meinung, daß man Zeit haben muß, um all das, was Vačulik gesagt hat, zu durchdenken.

4, Frage: Ein Parteiausschlußverfahren war die „Bestrafung“ für Vačulik – ähnlich also wie bei Milan Jungman, der noch zu Beginn dieses Jahres Chefredakteur! von „Literarni Noviny“ war?