Die Fälle häufen sich: Für zehn Menschen in Bayern wurde ein Pilzessen zum tödlichen Vergnügen; eine Studentin starb in Hall bei Innsbruck, ein 43jähriger Mann mit seiner zwölfjährigen Tochter im Siegerland und vier Personen im rheinland-pfälzischen Germersheim. In einer Nürnberger Klinik erlag gerade ein 62 Jahre alter Rentner einer Pilzvergiftung: Er hatte Pfifferlinge gegessen, die zwei Tage lang in einem Plasticbeutel im Kühlschrank gelegen hatten.

Jährlich sterben bei uns zwanzig bis dreißig Menschen an Pilzvergiftungen; in feuchtwarmen Spätsommern sind es mehr als in trockenen Jahren. In diesem Jahr hat sich der sonst so segensreiche Regen in besonders vielen Pilzvergiftungen bemerkbar gemacht; dabei hat die Pilzzeit erst angefangen: Die Ernte reicht von Juli bis Mitte November, fast bis in den frühen Frost hinein.

Von etwa 20 000 Pilzarten, die es in Mitteleuropa gibt, sind ungefähr 500 genießbar; nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl ist lebensgefährlich. Neunzig Prozent aller tödlichen Vergiftungen jedoch sind allein auf den Knollenblätterpilz (Amanita phalloides) zurückzuführen. Er sieht dem Champignon (Algaricus campestris), der am häufigsten gegessen wird, so ähnlich, daß hier die meisten Verwechslungen passieren. Wesentliche Merkmale sind eine Knolle am Ende des Stiels (daher der Name), ein Ring um den Schaft und weiße (nicht bräunliche) Lamellen unter dem Pilzschirm.

Das Gift dieses Knollenblätterpilzes ist so stark, daß manchmal nur ein falscher Pilz im Essen genügt, um eine ganze Familie zu vergiften. Das Bittere an diesem Giftpilz ist, daß er nicht bitter schmeckt, und die Vergiftungserscheinungen treten erst nach sechs bis acht Stunden auf – wenn es zu spät für eine Magenspülung ist und es so gut wie keine Aussicht mehr auf Abwehr und Rettung gibt.

Es gibt zwar Pilzberatungsstellen, aber bisher nur in größeren Städten. Die Berater vom Staatsinstitut für Angewandte Botanik in Hamburg zum Beispiel zählen je Saison etwa tausend Besucher. Freilich: Wer sonnabends Pilze sammelt, die am Sonntag gegessen werden sollen, geht nicht am Montag in die Sprechstunde. Und es geschieht auch, daß manche Gastwirte keine Pilzkenner sind: Der vergifteten Studentin von Innsbruck waren „versehentlich“ Knollenblätterpilze an Stelle von Champignons serviert worden. Nur wer auf Märkten oder im Einzelhandel Pilze anbietet, muß bei der Behörde nachweisen, daß er nur Pilze liefert, die zugelassen sind – ungefähr zwanzig Arten. Ri.