Juristen-Jahrbuch. Unter Mitarbeit des Deutschen Juristentages, des Deutschen Richterbundes, des Deutschen Anwaltvereins, der Bundesnotarkammer und der Angehörigen der juristischen Fakultäten und der Justizministerien, hrsg. von Ministerialdirektor i. R. Prof. Dr. Gerhard Erdsiek. 7. Band 1966/67. 312 Seiten. 32,– DM, für Studenten und Referendare 19,– DM. Verlag Dr. Otto Schmidt, Köln.

Das Jahrbuch erfüllt nach wie vor den einen seiner Zwecke: es informiert den spezialisierten Juristen über Entwicklungen auf anderen Rechtsgebieten. Von Band zu Band aber stellt sich deutlicher heraus, daß ein anderes Ziel vernachlässigt wird: nach außen zu wirken, den Juristen-„Stand“ gegenüber anderen Gruppen zu „repräsentieren“. Manche Beiträge verdienten durchaus eine Diskussion in breiterem Kreise, aber der Stil, in dem die meisten von ihnen geschrieben sind, vermag Nichtjuristen nicht zu fesseln.

In dem diesjährigen Band schreibt der Celler Oberlandesgerichtsrat Dr. Dieter Brüggemann über die „geistige Orientierung des Richterstandes“ die Bonner Staatsanwältin Dr. Maria Grasnick stellt dar, was für und vor allem was gegen ein Erbrecht der unehelichen Kinder spricht; der Leitende Ministerialrat Hirschmann aus Kiel plädiert mit überzeugenden Gründen für die Zusammenfassung der verschiedenen Gerichtsverwaltungen in einem Rechtspflegeministerium, und Professor Larenz (München) trägt „Grundsätzliches“ zur Sittenwidrigkeit von Rechtsgeschäften bei. Rechtsanwalt Professor Möhring (Karlsruhe) behandelt eine wichtige Frage des Gesellschaftsrechts, Professor Neumann-Duesberg (Göttingen) beschreibt das Recht am eigenen Bild als Beispiel eines umfassenden „Rechts auf Anonymität“. Der beste Beitrag aber steht am Schluß: unter dem Titel „Unternehmensverfassungsrecht“ räumt Professor Rudolf Wiethölter (Frankfurt a. M.) mit falschen Thesen pro und contra Ausdehnung der Mitbestimmung auf. Sein Beitrag zeichnet sich nicht nur durch bestechende Knappheit aus, sondern auch durch politischen Scharfblick.

Leider fehlt auch in diesem Band eine Abhandlung über die NS-Prozesse. Sollten Auschwitz-Prozeß und Euthanasie-Verfahren in eine Chronik der Rechtsentwicklung nicht hineingehören? Auf die Biographie von Benedict Carpzov – jenes sächsischen Juristen des 17. Jahrhunderts, der noch die Todesstrafe für Ehebruch, Meineid, Ketzerei, Zauberei und Gotteslästerung verteidigte – hätte man zugunsten eines aktuellen Artikels gern verzichtet. H. P. B.