Berlin

Wir leben in einer ernsten Zeit. Des Volkes Stimme fordert für Langhaarige die Prügelstrafe und ruft nach dem Staatsfriseur.

Bei Künstlern drückte man bisher ein Auge zu und gab sich liberal. Die Berliner Polizei jedoch versteht keinen Spaß.

Ein Kabarettist namens Horst Nowack konferierte anläßlich der Boots- und Campingmesse in den Messehallen am Berliner Funkturm. Und dort scherzte er: „Nicht jeder Polizist ist nur ein harmloser Bankräuber.“

Das aber war zuviel für ein Polizistenohr; Polizeimeister Koch hörte diese Worte und schritt hochaufgerichtet durch den Saal hinter die Bühne und verlangte Abbitte. Horst Nowack, keinen Spaß mehr verstehend, lehnte jedes Gespräch ab.

Nun eilte der Gequälte zum Polizeipräsidenten und der entschiede Nicht nur dem Polizei-, meisten sondern der gesamten Polizei wurde hier an ihrer Ehre gezurrt. Eine Anzeige wegen Beleidigung und ein Strafbefehl flatterten Horst Nowack ins Haus. Dieser legte Einspruch ein.

Ein Bankräuber sei niemals harmlos, darin liege die Beleidigung, meinte Zeuge und Polizist Koch in der Verhandlung. Das Gericht aber meinte, Fälle, in denen Polizeiangehörige den Pfad der Tugend verließen und Räuber und Gendarm in einer Person spielten, seien gerichtsbekannt. Man müsse einem Kabarettisten erlauben, schärfer zu artikulieren. Der Staatsanwalt beantragte Freispruch, und das Gericht sprach den Künstler auf Kosten der Landeskasse frei.