• „Meister der Zeichnung“ (Hamburg, Kunstverein): Keine schwer konturierbare „Internationale der Zeichnung“. Sondern Meister dieser Sparte „in der deutschen Kunst des 20. Jahrhunderts“, Solidität der Kunstvereine (Hamburg und Frankfurt), die ein gegebenes Thema retrospektiv, systematisch und überschaubar bewältigen. 216 Blätter aus musealem und privatem Besitz sind ausgestellt. Die Auswahl reicht alphabetisch von Barlach bis Wunderlich, stilistisch von Liebermann bis Janssen (mit brillanten 67er Blättern). Sie hält sich ungefähr an die Rangliste, die in der Malerei Gültigkeit beansprucht. Die These, daß die großen deutschen Maler auch Meister der Zeichnung seien, stimmt in der Regel. Sie stimmt für Klee, Beckmann, Kokoschka, Kirchner, Schlemmer, Dix – und wird beim Blauen Reiter fragwürdig, auch schon bei den Impressionisten. Liebermann und Corinth sind dabei, weil sie unbestritten große Maler waren. Slevogt dagegen, der primär Zeichner und ein Meister der Zeichnung war, wurde nicht aufgenommen. Kann man andrerseits Künstler wie Großmann und Hubbuch (aus den zwanziger Jahren) zu den Meistern der Zeichnung zählen?

Trotz solcher Fragezeichen: eine Bestandsaufnahme der deutschen Zeichenkunst im 20. Jahrhundert mußte endlich versucht werden. Daß die Hamburger Ausstellung zwei Perioden, die Jahre zwischen 1900 und 1930 und die Jahre nach 1960, glänzend dokumentiert, entspricht der deutschen Situation. In der schwierigen Phase zwischen 1930 und 1960 wird die Tradition der Zeichnung von wenigen Künstlern fortgeführt. Werner Heldt in Berlin, Oelze in Worpswede, Wols in Paris, Heinz Battke in Florenz. Noch ein anderes, kein typisch deutsches Phänomen wird in der Ausstellung evident: Die Zeichnung steht immer etwas außerhalb der kunsthistorischen Legalität. Als Heckel 1929 die Ansicht von Angoulème zeichnete, hatte er den Expressionismus vergessen. Oelze könnte seine „Abendliche Landschaft“ auch um die Jahrhundertwende gezeichnet haben. Die Ausstellung läuft bis zum 15. Oktober in Hamburg, anschließend im Kunstverein Frankfurt.

Gottfried Sello

• „Sammlung Gunter Sachs“ (Modern Art Museum, München): Die Aufnahme der Sammlung ist nicht unabhängig von der fremdartig anmutenden Spannung: Playboy – Kunstsammler. Wer die Ausstellung mit etwas zynischer Erwartung auf eine Playboy-Kollektion (was immer das sein sollte) betritt, wird bald merken, daß er seiner eigenen schlechten Information aufgesessen ist und die Vexierspiegel, die auf Gunter Sachs qua Mister Bardot gerichtet sind, als die Person Gunter Sachs genommen hat. Falsch, dieser Sammler zeigt sich hier als ein Mann eigenen Urteils, wenn auch sein Urteil eminent abhängig von der Pariser Kunstsituation ist. Er bestätigte in der Pressekonferenz, daß es ihm darauf ankommt,Vorläufer zu sammeln. Einen solchen fand er in Fautrier, von dem 21 Arbeiten aufgenommen sind, Zeichnungen ab 1925, ein Ölbild von 1929 und eine in Deutschland wohl selten gezeigte Plastik von 1943. Vorläufer waren ihm auch Yves Klein und Arman, die neben Fautrier den Schwerpunkt der Ausstellung bilden. Armans „Allegro furioso“ von 1962 ist tatsächlich ein Hauptwerk, auch die monochromen wie die Abdruckbilder Yves Kleins sind überzeugend ausgewählt. Neben diesen drei Künstlern überzeugte mich noch ein Papst-Bildnis von Bacon (1961); weder Mathieu noch Fontana, Bissier, Hartung, Tobey sind glänzend vertreten. Einen weiteren Vorläufer hat Gunter Sachs mit Wols gesammelt, die zumeist sehr kleinformatigen Gouachen sind gut ausgesucht. – (Bis 20. Oktober.)

Jürgen Claus