Eine "Atombombe für die Seele" wurde das Halluzinationen spendende LSD genannt. Die Bezeichnung zeugt nicht gerade von Einfallsreichtum, eher – wie sich jetzt herausstellt – von einer hellseherischen Begabung des unbekannten Schöpfers.

Denn die Anzeichen mehren sich, daß das vergötterte wie verteufelte, verbannte wie begehrte Rauschgift die gleichen fatalen Folgen zeitigen kann wie die Radioaktivität nach einer Atombombenexplosion: "Säureköpfe" – so werden LSD-Schlucker in den USA genannt (die ungekürzte Bezeichnung des LSD lautet Lysergsäurediäthylamid) – müssen neuerdings damit rechnen, daß sie an Leukämie erkranken und ihr Nachwuchs an Mißbildungen leidet.

Den ersten Hinweis darauf, daß LSD-Genuß außer anhaltender Geistesverwirrung auch andere Gefahren heraufbeschwören kann, veröffentlichte im März dieses Jahres die amerikanische Wissenschaftszeitschrift "Science". Dr. Maimon M. Cohen von der State University of New York berichtete, er habe weiße Blutkörperchen zweier gesunder Personen im Laboratorium kultiviert und eine Hälfte der Kulturen dem Einfluß von LSD ausgesetzt. Eine mikroskopische Untersuchung ergab, daß die Chromosomen, die Träger der Erbanlagen, in den mit LSD behandelten Blutkörperchen doppelt so oft geschädigt waren wie bei den unbehandelten Kontrollen.

Dieses Ergebnis regte Cohen an, die weißen Blutkörperchen eines 51jährigen Mannes zu untersuchen, der zur Behandlung seiner Schizophrenie im Laufe von sechs Jahren fünfzehnmal LSD erhalten hatte. Der Forscher fand dreimal so viele Chromosomenbrüche, wie normalerweise zu erwarten gewesen wären.

Zwei Mediziner der University of Oregon, Dr. Samuel Irwin und Dr. José Egozcue, bestätigten kürzlich dieses Ergebnis. Irwin und Egozcue untersuchten die weißen Blutkörperchen von acht LSD-Anhängern und neun Personen, die niemals LSD versucht hatten.

Das Ergebnis war eindeutig: Bei sechs der acht Säureköpfe war die Zahl der Chromosomenbrüche in den weißen Blutkörperchen deutlich erhöht. Unter ihnen fanden sich zweimal Chromosomenmißbildungen, die bei Leukämiekranken beobachtet werden. Bei den neun anderen Versuchspersonen hingegen beobachteten die Forscher nur in einem Falle auffällig viele Chromosomenbrüche. Der junge Mann war vor Jahren, so stellte sich nachträglich heraus, mit Röntgenstrahlen behandelt worden. Doch keiner der LSD-Schlucker hatte eine Strahlenbehandlung erhalten, so daß die Chromosomenbrüche nicht daher stammen konnten.

Den Einfluß des LSD auf die Embryonalentwicklung studierte Dr. George J. Alexander am New York State Psychiatric Institute. Alexander injizierte fünf trächtigen Ratten im Anfang der Tragezeit je eine LSD-Dosis, die dem von einem Menschen benötigten Quantum im einen Ausflug ins Reich der Halluzinationen einsprach.