Die\ zum Flick-Konzern gehörenden Zwillinge Feldmühle AG, Düsseldorf, und Dynamit Nobel AG, Troisdorf, haben auch im vergangenen Jahr die abgeschwächte Konjunktur zu spüren bekommen. Sie mußten 1966 mit einem dem Vorjahr gegenüber praktisch unveränderten Umsatz von 1,73\ Milliarden Mark (Feldmühle 37 Prozent, Dynamit Nobel 63 Prozent) auf der Stelle treten und eine Pause in die seit Jahren zügige, manchmal sogar stürmische Aufwärtsentwicklung einlegen.

Die Papier- und Pappeerzeugung des größten deutschen Papierfabrikanten erhöhte sich zwar weiter um 3 Prozent auf 480 000 Tonnen. Sie konnte aber nicht voll abgesetzt werden, weil der Konkurrenzdruck aus dem Inland und Ausland, vor allem in der zweiten Hälfte des Jahres, empfindlich zu spüren war. Auch in Troisdorf ging das Geschäft nur „mit halber Kraft voraus“. Die Verwaltung bezeichnet den Verlauf als „zwar nicht voll befriedigend, aber als nicht ungünstig“. Die seit Jahren eingeleitete Strukturveränderung bei Dynamit Nobel setzte sich fort. Die bisherige Ausgewogenheit der drei Produktionssparten Sprengmittel, Kunststoffe und Chemikalien hat sich zugunsten der Chemikalien (1966: 37 Prozent Umsatzanteil) verschoben. Das Sprengstoffgeschäft wird von Jahr zu Jahr schwieriger.

Die Stagnation des Umsatzes hat zur Folge gehabt, daß der an Flick vertraglich abzuführende Gewinn auf 20,1 (i. V. 25,2) Millionen Mark, also um fast ein Achtel, gesunken ist. Beide Gesellschaften waren an dieser Minderung fast gleichmäßig beteiligt. Für 1966 wird aber in der Gewinn- und Verlustrechnung der mit der Federführung betrauten Feldmühle außer dem „ordentlichen“ ein sogenannter „außerordentlicher“ Gewinn von 31 Millionen Mark ausgewiesen. Er stammt aus der Auflösung von Rücklagen und soll jetzt zur Erhöhung des Grundkapitals (75 Millionen Mark) dienen, das um einen Betrag zwischen 9,4 und 11,5 Millionen Mark zum Kurs von 275 Prozent aufgestockt werden wird. Darüber ist es mit dem Minderheitsaktionär der Feldmühle, der Schweizer Bührle-Gruppe, die noch mit rund 18 Prozent an der Feldmühle beteiligt ist, zu Meinungsverschiedenheiten gekommen. Sie dürften jedoch, wie man hört, intern bereinigt werden und nicht zu einem Eklat führen, wie er vor Jahren in Form von zeitraubenden gerichtlichen Auseinandersetzungen durch den ausgebooteten Bremer Minderheitsaktionär Hermann Krages entstanden war.

Die Entwicklung von Umsatz und Ertrag hat bei den beiden Unternehmen nicht zu einer Beeinträchtigung der Investitionen geführt. Sie haben 1966 bei der Feldmühle 63 (im Vorjahr 75) Millionen Mark und bei Dynamit Nobel 83 (65) Millionen Mark erreicht und sollen im Laufe der Jahre weiter erhöht werden. Unternehmen, die jährlich Beträge investieren, die in der Größenordnung ihres Grundkapitals liegen, gehören ohne Zweifel zu den sogenannten Wachstumsindustrien. hd.