Der Verdacht bleibt, daß hinter Gefängnismauern Dinge geschehen können, denen mit den Mitteln unseres Rechtsstaates nicht beizukommen ist.

Vor über drei Jahren, im Sommer 64, starben im Kölner Untersuchungsgefängnis Anton Wasilenko und in der „Glocke“ des Hamburger UG der Deutsch-Amerikaner Ernst Haase.

Auf natürliche Weise war ihr Tod nicht eingetreten. Sie waren mißhandelt, getreten und geschlagen worden („der Arsch war zu Butter gehauen“); sie starben nicht, sie verreckten. Aber niemand will an ihrem Tod Schuld gehabt haben, niemand es gewesen sein, niemand sie geschlagen haben: Die Wärter nicht – sie taten nur ihre Pflicht, „beruhigten“ nur; die Gefängnisärzte nicht – sie verabreichten Beruhigungsspritzen.

Die Beteiligten hüllten sich in Schweigen, und kein Richter oder Untersuchungsausschuß vermochte die Mauer ihrer geheimen Verschwörung zu durchbrechen.

Drei Jahre danach fanden in Köln (siehe untenstehenden Bericht) und Hamburg jene Gefängnisskandale jetzt ihr unrühmliches Ende. In Hamburg verurteilten die Richter einen Gefängnisbeamten zu sechs Monaten Gefängnis wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt. Daß seine Schläge den Tod des Gefangenen Haase herbeigeführt hätten, sei jedoch nicht nachzuweisen ...

„Der Anblick des toten Häftlings war erschütternd. Ich habe so etwas nur in den Folterkellern der russischen Geheimpolizei und der Gestapo gesehen. Nur dort wurde mit derartiger Wucht und Brutalität geschlagen“, sagte ein Arzt als Gutachter aus, der die Obduktion der Leiche Ernst Haases vorgenommen hatte.

Wer aber schlug? – Im Gerichtssaal herrschte Schweigen.