Von Kurt Wendt

Noch ehe Erich Mendes Freunde von der FDP von den privaten Plänen ihres Parteivorsitzenden offiziell unterrichtet waren, wußten Bankiers und Börsenleute Bescheid: Der Vorgänger Willy Brandts im Amt des Vizekanzlers hatte einen Job in dem großen internationalen Finanzkonzern Investors Overseas Services (IOS) angenommen. Damit hatte der Fischzug, den der IOS-Chef, Bernard Cornfeld, gegenwärtig im bundesdeutschen Prominententeich unternimmt, seinen bisher spektakulärsten Erfolg. Vor kurzem galt auch Altbundeskanzler Ludwig Erhard als IOS-Favorit, doch er ist inzwischen an einen US-Konzern vergeben, der Hähnchen in die Bundesrepublik exportiert.

Mende wird bei der IOS Deutschland GmbH, wo er den Vorsitz im Verwaltungsrat übernehmen soll, vermutlich andere um ihre private Existenz besorgte EX-FDP-Minister wiedertreffen. So den ehemaligen Bundeswohnungsbauminister Victor-Emanuel Preusker, Präsident des Haus- und Grundbesitzervereins sowie Mitinhaber des Bonner Bankhauses Preusker & Thelen, und vielleicht auch den früheren nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister Gerhard Kienbaum, Inhaber einer Gesellschaft für Unternehmensberatung.

Fußvolk und „Förderer“ der FDP – soweit sie zum Bankenbereich gehören – sind hell empört darüber, daß ein Teil ihrer Parteiprominenz zu diesem wohl umstrittensten internationalen Finanzkonzern abwandert. Zu einem Konzern zudem, der den deutschen Banken auf dem Felde des Investment-Sparens einen harten Wettbewerb liefert – und das nicht immer mit den feinsten Methoden; denn in der Vergangenheit operierte IOS oftmals hart „am Rande der Legalität“. Parteivorsitz und Deutschland-Chef der IOS sind in den Augen der Banker einfach unvereinbar.

Ob Erich Mende diese Problematik nicht gesehen hat, als er noch am Mittwoch vergangener Woche erklärte, seine neue Stellung (Jahresgehalt zwischen 100 000 und 200 000 Mark) berühre seine Position als Parteivorsitznder keinesfalls, ist schwer zu sagen. Eine gewisse Ahnungslosigkeit wird man ihm wohl bescheinigen dürfen. Vierundzwanzig Stunden später hatte er allerdings schon auf seine Wiederwahl verzichtet.

Die IOS-Manager ficht dieser Streit wenig an. Sie sind froh, daß sie mit ihrer Politik, durch die Hereinnahme prominenter Politiker, das immer noch matte Image ihrer Firma aufzupolieren, einen Schritt weitergekommen sind. Vorher hatte es der ehemalige Sozialpfleger und IOS-Gründer Bernard Cornfeld (er „machte“ nach amerikanischen Angaben seit 1956 ein Vermögen von mehr als 10 Millionen Dollar) schon verstanden, James Roosevelt, ältester Sohn des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und früherer US-Botschafter bei der UNO, für seine Firma zu gewinnen.

Das IOS-Management wehrt sich allerdings gegen die Auffassung, Roosevelt sei lediglich prominentes Aushängeschild. „In seinem Genfer Büro brennt bis spät abends noch Licht“, meldet Manfred Birkholz, der IOS-Pressechef für Deutschland. „Bei uns muß der Mende arbeiten“, soll ein IOS-Mann behauptet haben, ein Ausspruch, der in den Börsensälen genüßlich kolportiert wird.