Deutschlands größter Stahlkonzern wird noch größer. Der Zusammenschluß der August Thyssen-Hütte mit der Hüttenwerke Oberhausen (Hoag) steht unmittelbar bevor. Die Hoag – im Mehrheitsbesitz der Familie Haniel und seit langem schon auf der Suche nach einem geeigneten Partner – findet nunmehr im Thyssen-Konzern einen sinnvollen Platz.

Die Thyssen-Gruppe, die schon seit dem erfolgreichen Abschluß ihrer zielstrebig betriebenen Rückverflechtung als einziges deutsches Unternehmen in der Spitzengruppe der größten Stahlkonzerne der Welt steht, festigt durch die Fusion ihre europäische Spitzenposition beträchtlich.

Die Rohstahlkapazität des neuen Thyssen-Hoag-Verbundes wird auf über 11 Millionen Tonnen pro Jahr steigen – das sind 23 Prozent der deutschen und rund 12 Prozent der EWG-Produktion. Die Walzstahlkapazität steigt auf etwa 9 Millionen Tonnen. Das Umsatzvolumen der in Zukunft verbundenen Partner betrug im letzten Geschäftsjahr knapp 8 Milliarden Mark. Rund 116 000 Beschäftigte zählt das neue Unternehmen.

Für die Hoag ist der Anschluß an einen größeren Konzern lebenswichtig. Die zunächst geführten Fusionsverhandlungen mit Klöckner waren bald gescheitert. Die räumliche Nähe von Oberhausen und Duisburg ist ein wesentlicher Vorteil der neuen Ehe.

Die Konzernspitze der Thyssen-Hütte kennt wie keine zweite die Möglichkeiten der Rationalisierung in einem großen Verbund. Durch die unbeirrbare Rückverflechtungs- und Arrondierungspolitik des Thyssen-Chefs Hans-Günther Sohl ist nicht nur der größte, sondern auch der ertragsstärkste Montankonzern an der Ruhr geschaffen worden.

Der Zusammenschluß Thyssen–Hoag ist nicht das einzige Konzentrationsprojekt, das in der deutschen Stahlindustrie zur Debatte steht. Auch zwischen Klöckner und den Friedrich-Krupp-Hüttenwerken werden Gespräche geführt.

Schneller als es wartet scheint sich bei den deutschen Stahlkonzernen die Erkenntnis durchzusetzen, daß die vier Verkaufskontore – nach Bundeswirtschaftsminister Schiller Trainingszentren für weitere Zusammenschlüsse – nur eine Übergangslösung für die bedrängte Branche sind nmn.