Von Konrad Hansen

Laugharne. Brown’s Hotel, berühmt durch Dylan Thomas (steht auf der Karte, die dem Gast beim Abschied überreicht wird), hat inzwischen den Besitzer gewechselt, aber der Tisch, an dem Thomas saß und seine Bewunderer mit hochprozentigen Getränken traktierte, steht noch an seinem Platz. Eine gerahmte Photographie zeigt Dylan Thomas mit gedunsenem Gesicht und wirrem Haarschopf an eben jenem Tisch; neben ihm seine Frau Caitlin mit gefrorenem Lächeln.

Sein Grab – ein Oval. In der Mitte ein paar anspruchslose Pflanzen. Die Blumenvase ist umgestürzt. Die Blumen sind verwelkt. Ein weißes Holzkreuz inmitten künstlicher Blumen und wuchtiger Grabsteine mit vergoldeten Buchstaben. Kein Stein ohne In loving memory oder In very loving memory. Bei ihm bleibt das Gedenken undefinierbar.

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Llanelly. Der Wirt im „Prinz of Wales“ schlägt den Schaum vom Bier und läßt das Seidel zum unteren Ende der Theke schliddern. Der Gast dort fängt es auf, führt es an die Lippen, und sein Kehlkopf hüpft. An der Straßenecke klebt ein Jüngling mit Beatle-Frisur Lex Barker über das lächelnde Gesicht des konservativen Kandidaten für die Bürgermeisterwahl. In der Methodistenkirche wird am nächsten Sonntag walisisch gepredigt. Eine alte Frau mit Schirmmütze und weißem Umhang rammt ein Stoppschild in die Mitte der Fahrbahn. Mädchen in grünen Schuluniformen überqueren die Straße und steigen in den Bus nach Barry Port.

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Sonntagmorgen in St. David’s. Stille, Nebel, leere Straßen. Möwen balgen sich um einen Fischkopf. Ein Hund fährt dazwischen. Die Häuser haben bunte Türen und Fensterläden. Jedes Haus hat seine eigene Farbe.