Von Adolf Metzner

Der olympische Pavillon bei der Expo 67 in Montreal hat nur einmal Schlagzeilen gemacht, als Rowdies das Nurmi-Denkmal Aaltonens, das jetzt vor dem Flachbau steht, umstürzten. Mehr Aufmerksamkeit hat dieser Pavillon auch kaum verdient. Die großartige Gelegenheit, im Rahmen des Ausstellungsthemas „Der Mensch und seine Welt“ die Rolle des modernen Sports der Weltöffentlichkeit faszinierend vor Augen zu führen, wurde vertan.

Das meiste Interesse finden noch die alten Filmstreifen der ersten Olympiaden. Sogar 1906 wurden schon in Athen bei der sogenannten Zwischenolympiade bewegte Bilder aufgenommen, aber ausgerechnet vom Hochsprung aus dem Stand, einer Übung, die längst vom olympischen Programm verschwunden ist. Immerhin brachte es der Amerikaner Ewry in den Sprüngen ohne Anlauf auf insgesamt acht Goldmedaillen, womit er selbst einen Nurmi in den Einzelübungen noch übertraf.

Mehr ist über diesen olympischen Pavillon aber nun wirklich nicht zu sagen.

Dafür verdient die hinreißende Internationale Kunstausstellung der Expo 67 auch unter sportlichem Aspekt größte Beachtung. Ein hypermoderner Museumsbau wurde eigens für sie errichtet. Der Besucher schreitet weder durch endlose Gänge noch verliert er sich im Labyrinth unzähliger Kabinette, sondern bewegt sich längs zweier, ineinander führender konzentrischer Kreise. Nicht nur die Wände, sondern jeweils der ganze Raum ist einbezogen, da nicht nur Malerei, sondern auch die Plastik in Meisterwerken vertreten ist.

Das Neue und Überraschende, ja zunächst Bestürzende und Schockierende liegt in der Auswahl und Konfrontierung der einzelnen Kunstwerke, die aus 130 Museen und Privatsammlungen aus der ganzen Welt zusammengetragen wurden. Sie sind nicht nach einem Kulturkreis oder einer Stilepoche geordnet, sondern chronologisch nach dem Leitthema, dies variierend: „Der Mensch ist im Grunde derselbe überall in der Welt und im Wandel der Jahrhunderte.“

In zehn Räumen mit zehn Einzelthemen wird das Generalthema „Der Mensch und seine Welt“ für die bildende Kunst abgehandelt. So steht im ersten Saal: „Der Mensch“, die 5000 Jahre alte, schwarze Dioritfigur eines mesopotamischen Prinzen aus Lagasch neben einer braunen Sandsteinstatue des Amenemhat-ankh, eines ägyptischen Staatsdieners der zwölften Dynastie, diese wiederum neben der geradezu grotesken Kleinplastik aus der Marlikkultur, die als merkwürdige Sonderentwicklung im nördlichen Iran vor drei Jahrtausenden blühte. Trotz mesopotamischer und skythischer Einflüsse wirkt das Figürchen noch wie das Gestammel neolithischer Idole der ersten Stunde.