Rolf Limbach resigniert – Zuflucht beim Entwicklungsdienst

Von Gerhard Bartels

München

Wir sitzen im Zimmer Nr. 269 des Münchener Polizeipräsidiums auf blau gepolsterten Sesseln inmitten von Möbeln aus afrikanischem Birnbaum. Draußen an der Tür hängt ein Schild: „Psychologischer Dienst.“ Das Schild bleibt, aber der erste Polizeipsychologe Deutschlands, der in diesem Zimmer amtiert, wendet der Polizei den Rücken und wird Entwicklungshelfer: Dr. phil. Rolf Umbach, Diplompsychologe, rheinischer Beamtensohn, 41 Jahre alt, Vater eines 12- und eines 14jährigen Buben, verheiratet mit einer Lehrerin, die behinderten Kindern Sprechen beibringt.

Nach den Schwabinger Krawallen hatte ihn vor vier Jahren der Münchener Polizeipräsident Manfred Schreiber engagiert. Seither wurde das damals stark gestörte Einvernehmen zwischen Bürger und Polizisten in München wieder hergestellt. Krawalle brachen gar nicht erst aus. In den Hoch-Zeiten des Beat wurden die jugendlichen Teilnehmer an Großveranstaltungen, wenn es heiß herzugehen drohte, von der Polizei mit psychologischen Tricks akustischer und beleuchtungstechnischer Art in Rand und Band gehalten. In München versagte auch die Polizei den Jubelpersern den Schutz, der ihnen in Berlin die Prügeleien mit Stahlruten und Knüppeln ermöglicht hatte.

Kam es in Schwabing gelegentlich zu Zusammenrottungen, tauchte Umbach auf und las aus einem Buch über „Versammlungsrecht“ vor. Das wirkte – vielleicht, weil es Aggressionslustige einschläferte. Der Seelendoktor, der umgekehrt auch von den Polizisten als Toleranz-Prediger akzeptiert wurde, kam bald in den Ruf eines Wunderknaben und wurde von vielen Seiten konsultiert.

„Warum quittieren Sie jetzt den Dienst bei der Polizei?“