"Hundert Jahre sollst du leben", sangen die Menschen in Warschau und in Kattowitz. Sie feierten den französischen Präsidenten de Gaulle, der als erster westlicher Staatschef nach dem Kriege Polen besuchte. Als erster sprach er auch im Sejm, dem polnischen Parlament, und im polnischen Fernsehen.

Der General wurde auf seiner SechsTage - Reise nicht müde, für seine Vision eines blockfreien Europas "vom Atlantik bis zum Ural" zu werben. Er pries die Solidarität zwischen Frankreich und Polen als "fundamental und mit keiner anderen in Europa vergleichbar", und er beschwor Polens "ausgedehnte Sendung, die sich nicht an alte Konzepte halten kann".

Doch das offizielle Polen reagierte kühl. In seiner Rede vor dem Sejm erProblems, das auf einer Basis ruht, zu der die Zustimmung zum Bestehen zweier deutscher Staaten gleichen Rechts gehört, wird dem Frieden dienen " landfrage und zur Oder Neiße Linie riefen in Bonn Unruhe hervor. Zwar ließ die SPD Bundestagsfraktion verlauten, die französische Haltung zur Grenzfrage sei seit langem bekannt, so daß sich eine Aufregung nicht lohne. Doch betonte der stellvertretende Regierungssprecher Ahlers vor der Presse, die Oder Neiße Frage könne nach Auffassung der Bundesregierung erst in einem Friedensvertrag mit einer frei gewählten gesamtdeutschen Regierung geklärt werden. Ahlers sibyllinisch: Wir wünschen zu einer gütlichen Lösung der Grenzfragen zu kommen. Wir wollen nicht, daß es so bleibt, wie innerte KP Chef Gomulka daran, die französisch polnische Allianz habe "weder Frankreich noch Polen vor der Katastrophe der Niederlage und der Hitlerschen Besetzung schützen können". Gomulka betonte, sein Land habe die Lehre aus den historischen Erfahrungen, gezogen: Es sei zu der "fundamentalen Schlußfolgerung" gekommen, daß es "die wichtigste Garantie seiner Sicherheit" in "der Freundschaft und dem. Bündnis mit seinem großen Nachbarn im Osten", der Sowjetunion, gefunden habe.

Dabei hatte de Gaulle nichts unversucht gelassen, um die polnische Haltung aufzulockern. Er besuchte die ehemals deutschen Ostgebiete und rief: "Lang lebe das polnische Schlesien!" Danzig nannte er "auf bemerkenswerte Weise polnisch", und Hindenburg bezeichnete er als "die polnischste aller polnischen Städte". Frankreich sei schon 1944 für die Oder Neiße Linie eingetreten, die "wohl gerechtfertigt und richtig gezogen" sei.

Dem polnischen Staatsratsvorsitzenden Ocliab vertraute de Gaulle an, wie er sich die Lösung der Deutschlandfrage vorstellt: "Die Lösung liegt bei den Deutschen selbst, im Zusammenhang mit einem Abkommen der europäischen Staaten , Die Frage der deutschen Grenzen sowie die einer nuklearen Bewaffnung Deutschlands wird sich dabei natürlich nicht mehr stellen Doch auch hier blieben, die Polen hart. Gomulka: "Nur ein Konzept zur Regelung des deutschen es ist. Aber wir können auch nicht erwarten, daß es so werden wird, wie es war " Vertriebenen und SPD Bundestagsabgeordnete Rehs begütigend erklärte, trotz aller Meinungsverschiedenheiten mit de Gaulle würden die Vertriebenen an der deutsch französischen Aussöhnung festhalten, forderte die Landsmannschaft der Oberschlesier die Bundesregierung zu einer unzweideutigen Stellungnahme auf. De Gaulies Äußerungen zur DeutschWährend der Präsident des Bundes der