Man muß sich die Menschen nach ihrer Art verbindlich machen, nicht nach der unserigen.

G. Ch. Lichtenberg

Hochhuth und die britische Zensur

Rolf Hochhuths neues Stück, „Die Soldaten“, wird in England nun möglicherweise doch nicht zu sehen sein. Im Sommer hatte die Aufsichtsbehörde des National Theatre die Aufführung untersagt; sein Leiter, Sir Laurence Olivier, und sein Dramaturg, Kenneth Tynan, wollten das Drama daraufhin im Januar auf eigene Kappe in einem anderen Haus herausbringen. Dagegen schritt jetzt Großbritanniens Theaterzensor, der Lordkämmerer Ihrer Majestät ein: Die Aufführung darf nur stattfinden, wenn die überlebenden Verwandten von Sir Winston Churchill, Lord Cherwell, Lord Alanbrooke und Bischof Bell (die sämtlich in dem Stück auftreten) ihre Zustimmung geben – und das wird kaum geschehen. Eine Möglichkeit allerdings bleibt, auch diesen zweiten Einspruch zu umgehen: die Aufführung in einem „Club“-Theater vor einem Publikum von „Mitgliedern“. Eine Kommentierung der ganzen Angelegenheit ist unmöglich, da der Text von Hochhuths Stück bis zu seiner Berliner Premiere vom Rowohlt-Verlag als Geheimsache streng gehütet wird.

Lebensnahe Kunst

Ein Schauspiel über Probleme des Schiffsbaus, insbesondere bei der Kooperationskette für den Kühlschiffstyp „Atlantik“, will das Stralsunder Theater im Herbst nächsten Jahres aufführen. Verfasser des Stückes ist der Ostberliner Schriftsteller Gerhard Kube. – Daran, das Stück ganz realistisch gleich als Freilichttheater im Hafen aufzuführen, sei, so wird uns aus Stralsund versichert, nicht gedacht.

Was ist faul an Peter Brook?

Nur ungefähr eine halbe Million Mark hat Peter Brooks neuer Farbfilm gekostet. Er heißt „Make and Break und geht auf Brooks Anti-Vietnam-Happening „US“ zurück. Der Film soll allerdings mit der Bühnenversion von „US“ nichts mehr zu tun haben. Erzählt wird die Geschichte eines jungen Mannes in einer großen Stadt, der durch die Konfrontation mit seiner Familie, dem Berufsleben und sich selbst zum Mann reift. Fest steht allerdings, daß sich Peter Brook während der Dreharbeiten recht seltsam benommen hat: Bei Aufnahmen im Londoner UFO-Club versuchte er unter den Gästen des Clubs eine Panik auszulösen, indem er als Polizist verkleidete Schauspieler eine brutale Schein-Razzia durchführen ließ.