Mit Spätzündung ist die am 2. Juni in Berlin gelegte Bombe explodiert. Am Montag warf ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß der Polizeiführung Versagen während des Schah-Besuchs vor; die Abgeordneten empfahlen die Abberufung des Polizeipräsidenten Duensing und die Versetzung des für die Polizei zuständigen Senatsrats Prill. Am Dienstag trat Innensenator Wolfgang Büsch zurück. Er war politisch verantwortlich für das Versagen. Daß er damals erst einige Wochen im Amt gewesen war und in dieser Zeit nicht die Mißstände in der Polizei, die auf seine Vorgänger zurückgehen, hatte beseitigen können, nahm ihm die Verantwortung nicht ab. Er bot Albertz schon unmittelbar nach den Vorfällen seinen Rücktritt an. Jetzt zog er endgültig die Konsequenz.

Die Folgen seines Rücktritts sind noch nicht abzusehen. Eine Umbildung des Senats ist nun notwendig geworden. Die „rechte“ Fraktion der Sozialdemokraten unter Führung des Landesvorsitzenden Mattick hat zum Generalangriff auf die Rathausmannschaft geblasen. Mit dem Rücktritt Büschs ist ihre erste Forderung erfüllt. Sie verlangt für den Albertz-Gegner, Sozialsenator Neubauer, den freigewordenen Posten und das Amt des Bürgermeisters. Sie will den Rücktritt des reformfreudigen Schulsenators Evers und des Senatssprechers Herbst.

Es ist eine seltsame Fronde, die da angetreten ist, um den amtierenden Senat zu stürzen. Sie reicht vom radikalen Flügel des Sozialistischen Studentenbundes, der mit einem „reaktionären“ Senat den Konflikt zu verschärfen hofft, über manche Zeitungen und die CDU bis zur sozialdemokratischen Funktionärsgarde um Mattick und Neubauer. k. h.