Von Manfred Triesch

Der Literaturbetrieb hat bekanntlich seine eigenen Gesetze. Mitunter sind sie allgemein, hin und wieder auch national. Es gehört bei uns wie anderswo zu den Gepflogenheiten, Erzählungen so lange in der Schublade zu lassen, bis ein Roman den Weg für sie bereitet hat. Nur wenigen Autoren gelingt es, an dieser Konvention vorbeizukommen, dem Neuling fehlt die Wahl. Zwar pflegt das Talent sich bekanntlich durchzusetzen, aber niemand will sich gern darauf verlassen.

Shirley Ann Grau stellt beide Regeln auf den Kopf. Vor zwei Jahren kaufte ich mir ihre erste Veröffentlichung, die Kurzgeschichtensammlung „The Black Prince“, und heute wundere ich mich, daß sich Shirley Ann Grau trotz des schwachen Beginns im eigentlich falschen Genre durchgesetzt hat.

Der Zufall wollte es, daß „The Black Prince“ in New Orleans erstanden wurde, in einem Trödelladen, und besser hätten die Umstände wahrlich nicht sein können. Shirley Ann Grau gehört dorthin, ist nie von dort losgekommen, und der Trödelladen paßt genau zu ihrem Milieu.

„Der schwarze Prinz“ erschien 1958 bei S. Fischer, sechs Jahre nach der amerikanischen Ausgabe. Der zweite Roman Shirley Ann Graus ist weithin bekannt durch seinen Abdruck in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung („Die Hüter des Hauses“), der erste erschien schon 1961, also auch sechs Jahre nach der Originalausgabe, in der Fischer Bücherei. Mit ihm haben wir es jetzt noch einmal zu tun –

Shirley Ann Grau: „Harter blauer Himmel“ (Originaltitel: „Hard Blue Sky“), aus dem Amerikanischen von Günther Danehl; G. B. Fischer Verlag, Frankfurt; 443 S., 20,– DM.

Die Hüter des Hauses lebten in der Nähe von New Orleans, der harte blaue Himmel wölbte sich zweifellos auch über ihnen. Das gehütete Haus stand ein wenig nordöstlich dieser Stadt, die Insel des Geschehens im ersten Roman liegt in der Deltamündung des gelben Mississippi. Gelb ist die Farbe dieser Insel, der Isle aux Chiens, deren überschaubarer Zirkel der Autorin in die Hände spielt.