Ernest Bloch: „Schelomo“ und Edward Elgar: „Cellokonzert“; Pierre Fournier (Cello), Berliner Philharmonisches Orchester, Leitung: Alfred Wallenstein; Deutsche Grammophon Gesellschaft 139 128, 25,– DM.

Beide Komponisten sind in Deutschland so gut wie unbekannt geblieben: der Engländer Sir Edward Elgar (1857 – 1934), nach vielen Epigonen der Mann im Lande, der wieder „englische“ Musik schrieb und zu Lebzeiten gefeiert wurde wie kein anderer seit Purcell – und der in Genf geborene, viel herumgereiste, schließlich Amerikaner gewordene Ernest Bloch (1880 – 1959), der gesagt hat: „Ich bin ein Jude und strebe danach, jüdische Musik zu schreiben.“ Elgars Cellokonzert op. 85, ein neuromantisches Stück Musik, zart und zahm, wird sich auch mit dieser Platte nicht auf dem Kontinent einführen – Blochs „Schelomo“ (Salomon) hingegen ist der Einzug in unser Konzertrepertoire schon eher zuzutrauen, dieser leidenschaftlichen, wilden, innigen „hebräischen Rhapsodie“ für Cello und großes Orchester. Daß dieses „Porträt Salomons“ unter Cellisten beliebt ist, ist nicht erstaunlich; es bietet ihnen so ziemlich alle Möglichkeiten musikalischer Hingabe, und es verführt sie, sich alle rhapsodischen Freiheiten herauszunehmen. Wer wollte es Pierre Fournier nachrechnen, wie oft er ein Crescendo zum Sforzato macht, Triller zu knapp bemißt, lange Steigerungen zu kurzatmig wiedergibt? Er hat hier einen Begleiter gleichen Sinnes: den Amerikaner Alfred Wallenstein, heute Dirigent, einst Cellist. Wenn der Aufnahmeleiter das Soloinstrument nicht ständig bevorzugt hätte, könnte man den eigenartigen, teils diffus schillernden, teils grell strahlenden Klang des Orchesters ein bißchen genauer hören.

Manfred Sack