Nukleinsäuren regen die Produktion des Abwehrstoffes Interferon an

Von Erwin Lausch

Vier Teilnehmer der Marsexpedition hat die Virusseuche bereits dahingerafft, andere kämpfen noch mit dem Tod. Da kommt dem Bordbiologen des Raumschiffes die Erleuchtung: „Interferon! Das könnte die Rettung sein!“ Bald darauf macht Mars-Fahrer Steve, durch die wundersame Wirkung von Interferonspritzen genesen und wieder unternehmungslustig, einer Astronautin einen Heiratsantrag.

Dieses utopische Geschehen ersann schon vor Jahren der amerikanische Comic-strip-Zeichner Dan Barry. Das rettende Interferon hatte Barry, im Gegensatz zu anderen Zutaten der Bildergeschichte, nicht erdacht.

Interferon ist ein körpereigener Abwehrstoff gegen Krankheiten erregende Viren, den der Organismus von höheren Tieren und Menschen gleichermaßen produziert. Seit es vor zehn Jahren entdeckt wurde, ist Interferon eine große Hoffnung im Kampf gegen Virusseuchen – seien es Erkältungskrankheiten oder Grippe, Pocken oder Polio, Masern, Gelbfieber oder ansteckende Gelbsucht. Eine große Hoffnung ist Interferon bis heute geblieben.

Jetzt meldete eine Forschergruppe vom Merck-Institute for Therapeutic Research in West Point (Pennsylvania) Ergebnisse, die dazu führen könnten, die hochfliegenden Erwartungen endlich zu realisieren. Dr. Maurice R. Hilleman und seinen Mitarbeitern Georg P. Lampson, Dr. Alfred A. Tytell, Dr. A. Kirk Field und Dr. Marjorie fernes gelang es, bei Versuchstieren die Interferon-Produktion des Körpers zur Vorbeugung gegen Viruserkrankungen kräftig anzuregen.

Als der Engländer Dr. Alick Isaacs und der Schweizer Professor Jean Lindenmann 1957 in London auf das Interferon stießen, entdeckten sie ein ganz neues Abwehrprinzip. Bis dahin war als Schutzmaßnahme des Organismus gegen Krankheitserreger nur die Bildung von Antikörpern bekannt gewesen. Gegen jede Krankheit erzeugt der Organismus spezielle Antikörper. Dazu benötigt er Tage oder Wochen. Doch haben sie sich einmal gebildet – durch Krankheit oder Impfung –, schützen sie oft jahrelang oder gar für ein ganzes Leben.