Einst hißte die Partei die Europafahne und verkündete eine soziale Demokratie ohne Sozialismus. Nach 1945 war sie eine der bedeutendsten Parteien unseres Kontinents. Jetzt aber trägt sie sich selbst zu Grabe. Im Herbst wird ein. Parteitag die Auflösung des Mouvement Republicain Populaire beschließen.

Sein Signum MRP war im Frankreich der ersten Nachkriegszeit ein Gütezeichen, denn die Kapitel, die die Volksrepublikaner in das Geschichtsbuch der Vierten Republik schrieben, sind nicht zu übersehen.

Es war ein Volksrepublikaner, Robert Schuman, der Konrad Adenauer als erster französischer Staatsmann die Freundschaftshand reichte. Es war ein Volksrepublikaner, Straßburgs Bürgermeister Pflimlin, der als letzter Regierungschef der Vierten Republik die Macht in die Hände de Gaulles legte. Danach ging es mit dem christdemokratischen MRP hergab. Ein Großteil der alten Anhänger und Wähler schwenkte mit wehender Flagge in das gaullistische Lager über. Ein aufrechtes Fähnlein, das weiter auf ein integriertes Europa eingeschworen blieb, harrte aus. Seine Stunde schlug, als sich Jean Lecanuet, Parteichef des MRP und Überraschungsstar bei den Präsidentenwahlen von 1965, ganz dem „Demokratischen Zentrum“ verschrieb und seine alten Parteifreunde aufforderte, mit ihm eine neue Bewegung zu bilden.

Dem schwachen Rest nun fehlte der Atem, um allein gegen den Gaullismus Front zu machen. Er resigniert – voll wehmütiger Erinnerungen an eine Zeit, die mit großem Elan ein Europa zu schaffen trachtete, das mehr sein sollte als nur ein Europa der Vaterländer. v. K.