Ein Gerücht ließ die Welt aufhorchen: Aus Beirut wurde am vorigen Samstag kolportiert, der ägyptische Staatspräsident Nasser sei zurückgetreten. Die Pariser Botschaft der Vereinigten Arabischen Republik konnte die Meldung nicht widerlegen; die Funkverbindung nach Kairo sei abgerissen. Erst am Nachmittag kam das geharnischte Dementi aus der ägyptischen Hauptstadt: "Alles Lügen!" Ein Artikel der halbamtlichen Kairoer Zeitung "AI Achram" hatte das Gerücht ausgelöst. In dem Blatt war zu lesen, der Selbstmord des Feldmarschalls Amer sei ein Quell tiefer Trauer für Nasser.

Nach dem ägyptischen Debakel im Nahostkrieg, für das Nasser seinen Vizepräsidenten und Intimus in die Verbannung schickte, hatte der 47jährige Amer schon zweimal Hand an sich legen wollen. Erst beim drittenmal konnte er in einem Krankenhaus die tödliche Dosis Aconit schlucken. Tags zuvor hatten ihn ägyptische Offiziere verhören wollen. Amer, mit Nasser seit 1948 freundschaftlich verbunden und eiier der Initiatoren der ägyptischen Revolution von 1952, soll sich an einem Offizierskomplott gegen Nasser beteiligt haben Nach einer offiziösen Version von "AI Achram" wollte sich rner am 26. August mit einer Handvoll unzufriedener Offiziere des Front Kommandos in Ismailia bemächtigen, um von dort aus seine Wiedereinsetzung als Oberkommandierender der ägyptischen Streitkräfte zu betreiben. Durch Verrat wurde der Plan bekannt, Amer vurde unter Hausarrest gestellt. Ein Hochverratsprozeß hätte ihm möglicherweise Gelegenheit gegeben, Nasser die Verantwortung für die Niederlage gegen Israel zuzuschieben.