Das war unsere siebente Reise nach Mordwinien, etwa vierhundertfünfzig Kilometer südöstlich von Moskau. Voriges Jahr sind wir viermal hingefahren, um Julij Danielj zu besuchen, und zweimal, um uns zu informieren: über die Vereiterung einer alten Wunde, die strafweise Einzelhaft.

In diesem Jahr sind wir schon an vieles gewöhnt: an die schweigsamen Frauen (seltener Männer) mit Säcken und Koffern, die auf der Station Potjma den Zug verließen; an das mordwinische Taxifuhrwerk, vor das eine Mordwinin in Männerkleidung gespannt ist und das für einen halben Rubel das Gepäck vom Ort nach Potjma 2 transportiert; an die „stolypinschen Waggons“ mit Gitterglas (aber wenn die Tür geöffnet ist, dann kann man zu beiden Seiten den Gang und das Arrestantenabteil sehen); an die Zäune mit Stachedlrahtkronen und die Wachttürme, Wachttürme von Potjma 2 bis Jawas an jeder Station. Molotschniza, Sossnowka – bei jeder, jeder Station ein Lager, zwei, drei. Wir wissen, welche Hausfrau in Jawas die Ankömmlinge aufnimmt – sie nimmt denselben halben Rubel pro Person wie das „Haus der Ankömmlinge“. Aber wir ziehen das „Haus der Ankömmlinge“ vor: sauber, Leitungswasser, und man ist sein eigener Gastgeber; man weiß, wo der Speisesaal ist und das Magazin und die Apotheke, der Lagerstab, die Wache, die Verwaltung und der Sergeant Anja, ein imposantes Frauenzimmer:

„Geben Sie das Gesuch ab, warten Sie auf Antwort.“

„Lassen Sie das Gepäck und die Lebensmittel hier.“

„Nichts übergeben.“

„Nur russisch sprechen.“

„Das Lesen von Gedichten ist beim Besuch nicht erlaubt.“