Wirtschaft

Nasser sorgt für volle Kassen

So erfreulich die Fortschritte in Deutschland sein mögen, gegenüber der japanischen Konkurrenz nehmen sie sich noch immer winzig klein aus.

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DIE ZEIT

Eine Partei stirbt

Einst hißte die Partei die Europafahne und verkündete eine soziale Demokratie ohne Sozialismus. Nach 1945 war sie eine der bedeutendsten Parteien unseres Kontinents.

Donnerschlag auf Bütten

Willi Stophs Brief an den Bundeskanzler ist ein betrübliches Dokument. Nicht etwa, daß es neue Forderungen enthielte. Aber all die alten Parolen des SED-Regimes sind in dem Schreiben des Ministerratsvorsitzenden und dem beigefügten Entwurf für einen Vertrag zwischen Bonn und Ostberlin zu einem Bündel von Maximalforderungen verschnürt worden, das an Vollständigkeit und Massivität sogar in der östlichen Dokumentenliteratur seinesgleichen sucht.

Berliner Fronde

Mit Spätzündung ist die am 2. Juni in Berlin gelegte Bombe explodiert. Am Montag warf ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß der Polizeiführung Versagen während des Schah-Besuchs vor; die Abgeordneten empfahlen die Abberufung des Polizeipräsidenten Duensing und die Versetzung des für die Polizei zuständigen Senatsrats Prill.

Schlägt die Roßkur an?

Die Bundesregierung hat in den letzten Wochen keine gute Presse gehabt. Die Reaktion auf die Finanzbeschlüsse schwankte zwischen müder Zustimmung und scharfem Tadel; und der Tadel überwog.

Berlin sucht eine neue Rolle

Am Nachmittag des 15. September hatte der Regierende Bürgermeister eine der stärksten Stunden seiner Amtszeit. Er gab der christlich-demokratischen Opposition eine Antwort, die mutig und unpopulär zugleich war.

In vielen Sätteln gerecht

Von all den Kandidaten für die Parteiführung der Freien Demokraten ist am Ende nur ein einziger übriggeblieben: Walter Scheel.

ZEITSPIEGEL

„Auslieferungen von sogenannten Republikflüchtlingen an die DDR gibt es in Bulgarien nicht. Wir sind doch kein Dschungelstaat.

... nach Vorschrift

Eine Untersuchungskommission hat die Beschwerden der Frau des sowjetischen Schriftstellers Julij Danielj über eine angeblich schlechte Behandlung ihres Mannes in einem Arbeitslager für „völlig unbegründet“ befunden.

Willkür...

Ich wende mich an die Regierung, an die Vertreter der Öffentlichkeit, an die Juristen und Ärzte, an die Wissenschaftler und Schriftsteller mit der Bitte, das unmenschliche und ungesetzliche Verhalten der Aufsichtsorgane im Strafarbeitslager „Postfach 385/17“ abzustellen, dessen Kommandant Annenkow ist.

„Etwas ist faul im Reich Ägypten“

Er war des Volkes liebster und des „Führers“ treuester Marschall. In der Niederlage aber gingen ihm die Augen auf. Er wollte putschen, doch das Schicksal schlug wider ihn aus.

Herbert Weichmann:: Freiheit der Meinung

Ich sehe nicht ohne einen Anflug von Erleichterung, daß nach einer langen Zeit, in der vornehmlich die öffentlichen Institutionen ungewollt Träger des Monopols waren, im Visier der journalistischen Batterien zu liegen, nun zur Abwechslung die Herren Kanoniere ihre Kanonen – entgegen der bisherigen gegenseitigen Schonung – auch einmal aufeinander gerichtet haben.

Schutzschirm gegen Raketen

Der amerikanische Verteidigungsminister McNamara hat den Bau eines zunächst dünnen Schildes von Abwehrraketen in den Vereinigten Staaten angekündigt.

Scharmützel im Zeitungskrieg

Der Zeitpunkt war mit Bedacht gewählt. Axel Springer nahm eine Begradigung seiner Zeitungsfront just in dem Augenblick vor, in dem die deutschen Zeitungsverleger in Hamburg zu ihrer Jahrestagung zusammengekommen waren und ein erster Bericht der Pressekommission über die Lage der Zeitungen und die Folgen der Konzentration im Pressewesen der Bundesrepublik vorgelegt wurde: Er stellte die Herausgabe des Düsseldorfer Boulevardblattes der „Mittag“ ein.

Fachminister und Sonntagsredner

Auch seine politischen Gegner versagten ihm nicht den Respekt vor seinen Leistungen als Bundesverkehrsminister: Hans-Christoph Seebohm ist es zu verdanken, daß die Bundesrepublik heute das modernste und großzügigste Straßennetz Europas besitzt.

Argwohn in Ostberlin

Noch hatte sich Ulbricht kaum erholt von einem ziemlich unbegründeten Schreck über die polnisch-französische Annäherung, noch hatte er kaum die letzte, bulgarische Etappe seines großen Rennens nach rückversichernden Bündnissen hinter sich, da ließ er seinen Ministerpräsidenten Stoph zur Feder greifen, um Bundeskanzler Kiesinger zu antworten.

Präsident auf sieben Jahre?

Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Lemke hat vorgeschlagen, die Wahlzeit des Bundespräsidenten auf sieben Jahre zu verlängern und seine Wiederwahl auszuschließen.

Wolfgang Ebert:: Talent-Reserve

In der Wirtschaft macht sich ein solcher Mangel an Talenten bemerkbar, daß man dort schon auf die Politiker zurückgreift. Und zwar schon auf solche, deren Erfolge in diesem Beruf, wenn man an Professor Erhard denkt, eher umstritten sind.

Was bringt Zarapkin?

Nach zweimonatigem Urlaub in der Sowjetunion ist Botschafter Zarapkin nach Bonn zurückgekehrt. Die Bundesregierung hatte ihm, in vierzehn Punkten zusammengefaßt, Vorschläge für Gesprächsthemen zwischen Bonn und Moskau auf die Reise mitgegeben.

Stoph antwortete Kiesinger

De Gaulles Polen-Besuch hat gezeigt, daß in Osteuropa derzeit nicht viel zu machen sein wird. Und Ostberlins Interesse an Fortschritten im innerdeutschen Dialog ist derzeit minimal.

Namen der Woche

Wolfgang Büsch, 37 Jahre, Innensenator von Berlin, trat nach Veröffentlichung des Berichts über die Vorfälle beim Schah-Besuch, den ein Untersuchungsausschuß des Berliner Abgeordnetenhauses angefertigt hatte, von seinem Amt zurück.

Die Kanonade von Sikkim

Braucht Peking ein außenpolitisches Ventil für die überkochende Kulturrevolution? In den ersten sechs Monaten dieses Jahres war China in diplomatische Scharmützel mit 25 Ländern verwickelt.

McNamara: Raketenschild gegen China

Der Welt steht eine neue Runde des Wettrüstens bevor: US-Verteidigungsminister McNamara kündigte am Montag in San Francisco an, daß die Vereinigten Staaten gegen Ende des Jahres mit dem Aufbau eines Raketenabwehrsystems beginnen werden.

Von ZEIT zu ZEIT

Der amerikanische Verteidigungsminister McNamara kündigte den Bau eines gegen China gerichteten Raketenabwehrsystems an. Andeutungen des UN-Generalsekre- tärs U Thant gaben den Gerüchten über wechselseitige Friedensfühler im Vietnam-Konflikt neue Nahrung.

Die Herrschaft der Obristen

Mittlerweile ist die Athener Militärdiktatur fünf Monate alt. Die Panzer vor dem Parlamentsgebäude am Platz der Verfassung sind wieder abgerückt, desgleichen die schwerbewaffneten Posten, die nach dem Obristenputsch vom 21.

Alt-Heidelberg: wenig fein

Als „erschütternd“ und „haarsträubend“ hat der CDU-Fraktionsvorsitzende im badenwürttembergischen Landtag, Camill Würz, die Verhältnisse in den bald hundert Jahre alten Kliniken der Universität Heidelberg bezeichnet.

Nun ist der Bart ab

Zehn Minuten, so vernahm es jeder am letzten Freitag um 13.40 Uhr in der Brandenburg halle des Schöneberger Rathauses, wollte Parlamentspräsident Sickert den Demonstranten geben, ihr „go-in“ zu beenden und die Halle freiwillig zu räumen.

Auf Kosten der Juden

Flensburg Alfred Endrigkeit, Naturwissenschaftler, ehemals Fachmann für Schädlingsbekämpfung, seit Ende der fünfziger Jahre Pädagoge und Lehrer am Nordseegymnasium in Büsum, ist seit 1960 der Schul- und Justizbehörde Schleswig-Holsteins suspekt.

Der falsche Arzt von Lengede

Er war einer von drei praktischen Ärzten im celleschen Unterlüß. Die Bürger der 4700-Einwohner-Gemeinde zogen den Hut vor Herrn „Dr.

Es war nur ein Unfall

Vor dem Ziel war der Gedanke beklemmend, es könnte eine rührselige Schau werden. Am Ziel dann, hinter Bremerhaven in der Jugendherberge Wüstewohlde, nach der ersten Begegnung mit dem Mann ohne Hände und seinen krampfgelähmten, körperlich gezeichneten Schützlingen, wich der Alptraum sogleich.

Verhaftet in Schweden

In der vergangenen Woche schlossen sich die Tore des Hamburger Untersuchungsgefängnisses hinter drei Mitgliedern einer Diebesbande, die sich darauf spezialisiert hatte, Mercedes-Modelle in der Bundesrepublik zu stehlen, um sie in Schweden zu verkaufen.

Mendes Fallstrick

Die aufsehenerregende Schollwer-Studie, die nun einem breiten Publikum zugänglich ist, hat den FDP-Parteitag in Hannover elektrisiert und ist – vom Verfasser unbeabsichtigt – für den Parteivorsitzenden Erich Mende zum Schicksalspapier geworden.

Gefängnisbericht

Amnesty International, jene einzigartige internationale Organisation, die sich für politische Häftlinge einsetzt, gleich wo und von wem sie eingekerkert sind, berichtet in jedem Jahr über die Zustände in drei verschiedenen Ländern – einem westlichen, einem kommunistischen und einem blockfreien Land.

Festival der großen Namen

Dem siebenunddreißigjährigen Tschaikowskij bekam die Ehe nicht. Unmittelbar nach seiner Hochzeit schrieb er an seine Mäzenin Frau von Meck: „Ich kann noch nicht genau sagen, ob ich glücklich bin oder unglücklich.

Günter Grass:: Antwort an Pavel Kohout

in der letzten Ausgabe der ZEIT antworteten Sie auf meinen Offenen Brief an den Staatspräsidenten Novotny. Da der Anlaß unserer Briefe kein „nur“ privater ist, sondern das öffentliche Interesse sucht und findet, erlaube ich mir, Ihner.

Fernsehen: Irgendein Montag

Hans Heigert sah man, man sah Eschenburg: süddeutsch und couragiert der eine, immer gesammelt und wohl präpariert, die Hände gefaltet, die Daumen, zwei freundliche Zeigestöcke aus Fleisch, schlipswärts erhoben; lübisch und souverän der andere, beim Plaudern belehrend und zwischen Zigarrenzügen das Porträt eines Mannes entwerfend, der – kein gelernter Kaufmann! – sich in einer Firma verdingte, deren Bonität in Senator Buddenbrooks und Konsul Huneus’ Kreisen möglicherweise nicht ganz ohne Süffisanz diskutiert worden wäre: So erging sich Eschenburg über den Mann, der allzu indiskret mit Bewerbung und Werbung um eine Lehrkanzel nachgesucht hatte, und schrieb dabei, Heigert verschlug es die Sprache, die schnelle Verabschiedung des nämlichen Mende nicht zuletzt der studentischen Revolution zu.

Künstler und Gelehrte als nützliche Idioten

Aus einer „nüchternen politischen Sicht“ erscheinen Künstler und Gelehrte als nützliche – oder unnütze – Idioten: Leute, die nicht denken, schreiben, sagen, was gerade not tut, sondern, was sie in ihrer Selbstherrlichkeit für wahr halten.

Wer finanziert Enrico Baer?

Wer finanzierte, wer finanziert Bärs GmbH? Die Geldgeber blieben bis heute anonym. Es werden genannt: das Ostbüro der SPD, die Organisation Gehlen, das Ministerium für gesamtdeutsche Fragen (Bär ist oder war mit Ernst Lemmer befreundet), der Reptilienfonds, der Vatikan und die CIA.

Glückliches Konstanz

Wer von dem sonst so fortschrittlichen Kultusministerium auch auf diesem Gebiet etwas Neues, Richtungweisendes erhofft hat, wird enttäuscht; Der Entwurf ist konservativ und schlecht durchdacht, obwohl die Hochschulabteilung des Kultusministeriums schon fast zehn Jahre daran arbeitet.

Verständnis auf Widerruf

Die Verlage der DDR (und mit ihnen auch die der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Staaten) wollen nun doch noch an der Frankfurter Buchmesse teilnehmen.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Beide Komponisten sind in Deutschland so gut wie unbekannt geblieben: der Engländer Sir Edward Elgar (1857 – 1934), nach vielen Epigonen der Mann im Lande, der wieder „englische“ Musik schrieb und zu Lebzeiten gefeiert wurde wie kein anderer seit Purcell – und der in Genf geborene, viel herumgereiste, schließlich Amerikaner gewordene Ernest Bloch (1880 – 1959), der gesagt hat: „Ich bin ein Jude und strebe danach, jüdische Musik zu schreiben.

Nun singt Puntila

Vom Vergnügen Brechts, seine Worte gesungen zu hören, hat Paul Dessau oft erzählt. Als der Komponist wenige Wochen vor Brechts Tod im Jahre 1956 das erste und leider letzte Gespräch mit dem Stückeschreiber über seine Pläne hatte, nach dem „Lukullus“ nun auch aus dem „Puntila“ eine Oper zu machen, gab Brecht begeistert Ratschläge.

FILMTIPS

„Tote schlafen fest“, von Howard Hawks nach Raymond Chandlers Kriminalroman „The Big Sleep“. Einer der besten Filme von Howard Hawks, einem der wenigen großen Regisseure, die Hollywood hervorgebracht und jahrzehntelang beschäftigt hat, das vielleicht interessanteste Werk unter den schwarzen Filmen Hollywoods und außerdem noch ein Film mit Humphrey Bogart in einer seiner besten Rollen, ein Film der Superlative also.

Große Geiger unserer Zeit (V): Der Diplomat mit der Violine

Für Henryk Szeryng, der am 22. September 1918 nicht weit vom früheren Warschauer Wohnsitz Frédéric Chopins geboren wurde, war die Musik des polnischen Klavierkomponisten der erste künstlerische Eindruck: Seine Mutter war eine vorzügliche Pianistin und – wie bei einer Polin nicht anders zu erwarten – Chopin-Interpretin.

ZEITMOSAIK

Das Zentralkomitee des Bundes Tschechoslowakischer Schriftsteller machte das sogenannte Manifest, in dem tschechoslowakische Schriftsteller sich angeblich hilfesuchend an ihre Kollegen im Westen gewandt haben, zum Thema einer Plenarsitzung, beschloß jedoch, keinen Kommentar dazu zu geben, „da es sich eindeutig um eine Fälschung handelt“.

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