Hans Heigert sah man, man sah Eschenburg: süddeutsch und couragiert der eine, immer gesammelt und wohl präpariert, die Hände gefaltet, die Daumen, zwei freundliche Zeigestöcke aus Fleisch, schlipswärts erhoben; lübisch und souverän der andere, beim Plaudern belehrend und zwischen Zigarrenzügen das Porträt eines Mannes entwerfend, der – kein gelernter Kaufmann! – sich in einer Firma verdingte, deren Bonität in Senator Buddenbrooks und Konsul Huneus’ Kreisen möglicherweise nicht ganz ohne Süffisanz diskutiert worden wäre: So erging sich Eschenburg über den Mann, der allzu indiskret mit Bewerbung und Werbung um eine Lehrkanzel nachgesucht hatte, und schrieb dabei, Heigert verschlug es die Sprache, die schnelle Verabschiedung des nämlichen Mende nicht zuletzt der studentischen Revolution zu.

Nach Heigert und Eschenburg sah man Frau Ziemanns Liebesgeschichte, eine verschenkte Idee, und im anderen Programm die Große Freiheit, Hans Albers und die Hildebrandt in Weiß und Grau, und keine Rede vom strahlenden Blau, von Hansens Sternenaugen und Hildes Tizianrot, und da wurde man traurig, drehte nochmals an Knopf und wurde Zeuge einer Diskussion, die den Betrachter vom Hippodrom und der Reeperbahn in die Atmosphäre eines Wiener Cafés um die Jahrhundertwende versetzte. Über die Araber ging es, doch von Israel war keine Rede, von Anerkennung der DDR nicht oder von anderen handfesten Dingen. Man schlürfte gleichsam Kakao, hielt beim Hüsteln grazil die Hand vor den Mund und tat einander nicht weh.

Diskussionsleiter Kahle servierte sein Thema wie ein Ober aus Graz, der, leise, sehr lieb und elegisch, im Kabinett die Süßigkeiten und den Kaffee offeriert. Drei Herren waren versammelt, drei Herren bekamen ein freundliches Stichwort, es ging munter im Kreise herum, und alle sagten dasselbe, und der Diskussionsleiter stimmte ihnen, nickend und mit leicht geöffneten Lippen, aufs charmanteste zu: „Ja, ich glaube auch, Herr Professor, daß wir heute abend um den Islam nicht herumkommen werden.“ Ein Standbild also, von Canova entworfen, ein gefrorener Wortkreis, ein wir sind ausgegangen von wir kommen zurück auf, wir sagten bereits. Da waren selbst Regisseur Wuermelings Künste vergebens: Großaufnahmen, Tabakzähnchen und Poren, Wasserglas und Bleistift – Pardon, Diskussionsleiter Kahle benutzte einen Crayon –, Bärtchen und dreckiger Daumennagel wirkten apart, aber das Gespräch belebten sie nicht. Müde der gespielten Fragerei, sagen Sie bitte, lieber Professor, wann war eigentlich die arabische Mystik, sehnte man sich nach einem handfesten Frühschoppenstreit, nach Kogonschem Schwarzbrot, nach einem reellen Kolleg. Die petits fours taten es nicht, es klang nach einer Martin-Walser-Parodie, und von Arabia waren nur die perfumes übriggeblieben. Momos