Wer so viele und schöne Preislieder verfaßt, den wird es nicht wundern, auch einmal eins auf sich zu lesen. Seit Jahren liest man sie, diese Gedichte, und freut sich über sie, lächelt mit ihnen, ist überzeugt, daß es ihrem Dichter Spaß gemacht haben muß, sie in die Welt zu setzen. Aber jetzt stehen in einem neueren Band von

Peter Gan: „Das alte Spiel“, Gedichte; Atlantis Verlag, Zürich; 128 S., 16,– DM

die etwas bestürzenden Verse: ., ob schon er sie genau so sehr / die Kunst wie früher liebt; / allein er liebt die Welt nicht mehr, / daher’s im Buch auch weniger / als sonst Gedichte

Das alte Spiel? Diesmal wohl nicht, und doch: vielleicht weniger Gedichte als sonst, weniger als in der „Windrose“ und im „Schachmatt“, aber jedes einzelne ausgewogen und leicht von der Hand geblasen. Noch in der Kurzzeile und Einsilbigkeit ist er eloquent, redselig im eigentlichen Sinn.

Wie könnte das auch anders sein, wenn ein Dichter die Sprache mit solcher Finesse und Verve handhabt? Sie verführt ihn mitunter zu grammatischen und syntaktischen Seitensprüngen; sie verheimlicht ihm keinen ihrer Widersprüche. Und aus alledem entsteht der Sinn: „Zeit! weil du nie ein Ende hast, / verkehrst du alle Lust in Last; / verhexst Glück, Glauben, Glut, Gewinn / in Armut, Asche, Widersinn; / zeugst und erstickst zu gleicher Zeit, / Zeit, deine Mutter Ewigkeit.“

Peter Gan (sein wirklicher Name ist Richard Moering; dreiundsiebzigjährig, lebt er seit seiner Rückkehr aus der Emigration im Jahre 1958 wieder in seiner Geburtsstadt Hamburg) hat das Preislied, die Vers-Epistel, den Spruch, er hat die ganze Weisheitsdichtung in Ehren gehalten und sie immer wieder geübt. Seine Etüden sind Meisterstücke. Sie variieren provozierende Themen; ein Studium der vielen Mottos und Vorsprüche würde sich lohnen. Diese Etüden spiegeln Klugheit und Güte, und ihr Leichtsinn ist so gewichtig, weil für den Autor das Gedichteschreiben eine Form der Erkenntnis geworden ist.

Und doch haben wir es nicht mit Maximen zu tun, nicht mit Aphorismen. Es sind immer Gedichte. Sie gemahnen an die Spruchweisheit des „Divan“, an die herbe Tonart der barocken Spruchdichter, an die Sinnlyrik eines Morgenstern. Und mühelos scheinen sie den guten Schuß Kabarett und Modernität zu absorbieren.