Aus einer „nüchternen politischen Sicht“ erscheinen Künstler und Gelehrte als nützliche – oder unnütze – Idioten: Leute, die nicht denken, schreiben, sagen, was gerade not tut, sondern, was sie in ihrer Selbstherrlichkeit für wahr halten.

Nützlich sind diese Idioten, wenn sich ihre Aussage mit der Ideologie des jeweils Politik-Schaffenden deckt oder seinen Absichten dient, unnütz, wenn sie Ideologie oder Absichten zuwiderläuft.

Das gilt keineswegs nur in der Sowjetunion, wo Lenin offen davon sprach. Es gilt allerorten und allenthalben.

Künstler und Gelehrte entwickeln daher als ganz natürliche Abwehrreaktion ein Mißtrauen gegen Politiker, gegen die Repräsentanten des Staates, gegen das Establishment. Das ist überall so, und es kann gar nicht anders sein.

Es ist daher niemals undenkbar, daß dieses meistens nur latent vorhandene Mißtrauen mächtig wird und durchbricht: daß Künstler und Gelehrte in dieser oder jener Form gegen ihren Staat protestieren.

Wer sich durch solchen Protest in einem Staat des Ostens als unnützer Idiot erwiese, könnte zum nützlichen Idioten für den Westen werden – und umgekehrt. So denken Politiker, wenn sie nur ausreichend beschränkt sind. Dieser Qualifikation genügen viele.

So beobachten viele auf unserer Seite nicht ohne politische Genugtuung, daß Künstler und Gelehrte in den Staaten des sogenannten Ostblocks den Staatsapparaten kaum weniger und eher mehr Kummer machen als Künstler und Gelehrte des noch nicht so genannten Westblocks.