Als „einfach märchenhaft“ bezeichnete der Vorsitzende des „Vereins progressiver deutscher Kunsthändler e. V.“, Hein Stünke, den Erfolg der ersten deutschen Messe für moderne Kunst, die in der vergangenen Woche im Kölner Gürzenich stattfand.

Innerhalb von fünf Tagen konnten die dem Verein angeschlossenen achtzehn „progressiven“ Galerien aus zehn Städten der Bundesrepublik für etwa eine Million Mark moderne Bilder, Plastiken, Graphiken, Handzeichnungen und „Objekte“ an den Mann bringen.

Das Umsatzergebnis ist um so überraschender, als hier zum ersten Male der Versuch gemacht wurde, Werke moderner Kunst nach dem Vorbild von Konsumgütern auf einer Messe anzubieten.

Bis zum Sonntagabend nahmen schätzungsweise 15 000 bis 20 000 Besucher aus dem In- und Ausland, vor allem aber aus dem Köln-Düsseldorfer Raum, die Gelegenheit wahr, sich einen Überblick über das vielfältige Angebot von Werken zeitgenössischer Kunst fast aller Richtungen zu verschaffen. Das Angebot erstreckte sich sowohl auf Arbeiten junger deutscher als auch internationaler Künstler. Im Vordergrund des (Kauf-)Interesses standen Bilder und Graphiken, die zwischen fünf Mark (für sechs postkartengroße Originalgraphiken des Berliner Popkünstlers Brehmer bei der Galerie Block) und 150 000 Mark (für ein Ölbild von Jackson Pollock, 1949, bei der Galerie Anne Abels) angeboten wurden.

Das Schwergewicht der Nachfrage lag (der Stückzahl nach) bei graphischen Blättern zu Preisen zwischen 200 und 1200 Mark. Die größten Umsätze wurden jedoch mit Werken der „klassischen“ Moderne erzielt. So verkaufte die Kölner Galerie Der Spiegel ein Bild von Max Ernst für 62 000 Mark (Der blaue Mond, 1956) an einen bis dahin unbekannten Sammler Die Galerie Zwirner fand einen Käufer für ein Ölbild von Otto Mueller (Sitzendes Mädchen am Schilf, 1919/21) zum Preis von 30 000 Mark. Ein 21x43 Zentimetei kleines Ölbild von Willi Baimeister (Schwebende Welt, 1954) wurde mit 9500 Mark bezahlt (Galerie Stangl).

Aber auch für Arbeiten der jungen Künstlergeneration wurden Preise bis zu 15 000 Mark (Ölbild von Wunderlich, Galerie Brusberg) bezchlt. Die Bilder von Konrad Klapheck, sicherer Anwärter auf einen Platz auf der „documenta IV“, wurden sämtlich bis auf eines zu Preisen zwischen 4000 und 6000 Mark verkauft. Zu den Favoriten zahlten außerdem andere „documenta-verdächtige“ Künstler wie Antes, Beuys, Graubner, Pfahler, Richter und Uecker.

An den international bekannten Werken zeigten sich vor allem auch ausländische Galerien interessiert, deren Vertreter sich zahlreich eingefunden hatten.

bon.