Die Idee ist einfach: Man erfasse alle Rundwanderwege einer Landschaft, die von einem Parkplatz aus begangen werden können, zeichne auf einer Karte Parkplätze ein, vermerke dazu Ortsnamen, genaue Bezeichnung der Parkplätze und Anzahl der erreichbaren Wanderwege und ermuntere den Autofahrer: „Parke und wandere!“

Der Landesverkehrsverband Westfalen setzte diese Idee in die Tat um. Für den wanderfreudigen Autofahrer beginnt der Ausflug in die Natur freilich mit einer Enttäuschung. Auf den drei Reliefkarten (I: Münsterland, Grafschaft Bentheim, Westfälisches Industriegebiet; II: Teutoburger Wald, Wiehengebirge, Wesergebirge, Lippisches Bergland, Eggegebirge, Weser; III: Sauerland, Wittgenstein und Siegerland) findet man sich nur schlecht zurecht. Die Parkplatzzeichen sind zwar malerisch, aber dafür ungenau in der Landschaft placiert. So sucht man südlich des Möhnesees auf der Straße Delecke–Breitenbruch zunächst vergeblich nach einem Hinweisschild zum Parkplatz „Humbertsweg“. Beim Wenden in einem kleinen Seitenweg kann man dann zufällig fünfzig Meter von der Hauptstraße entfernt das gesuchte Schild entdecken: „Auf 8 Kilometer 4 Parkplätze.“

Nach zwei Kilometern Fahrt auf einer Waldstraße hat man sogar den sonntäglichen Ausflugsverkehr weit hinter sich gelassen. Am Parkplatz „Humbertsberg“ sind 16 Abstellplätze säuberlich markiert. Sieben Autos stehen da. Die Nummernschilder verraten: Bis auf einen Krefelder kommen alle aus der näheren Umgebung. Auf einer überdachten Holztafel sind im Maßstab 1:5000 zwei Rundwanderwege verzeichnet. Weg A 1 führt über den 370 Meter hohen Oer Berg auf einer Strecke von 4,5 Kilometern wieder zurück zum Parkplatz. Dafür braucht man laut Wanderbeschreibung anderthalb Stunden. Weg A 2 geht an der kleinen Schmalenau entlang und erreicht nach sechs Kilometern wieder den Ausgangspunkt. Wanderzeit zwei Stunden.

Wir entschließen uns für den kürzeren Weg. Ein besonderes Schild zeigt unmißverständlich: Hier hat der wanderfreudige Autofahrer in den Wald zu treten. Gleich am Beginn des Weges drei Picknickplätze. (Später denkt man freilich: Warum sind diese Tische und Bänke so dicht am Parkplatz und nicht weiter im Wald?) Die Markierung des Wanderweges ist gut. In kurzen Abständen leuchtet von den Bäumen ein weißes Kreuz nebst dem Zeichen A 1. Der Weg führt leicht bergauf, erst durch Mischwald, dann Buchenwald, schließlich durch hohen Kiefernwald. Nach fünf Minuten begegnen wir zum erstenmal anderen Wanderern, einer dreiköpfigen Familie. Auf dem Berg berührt Weg A 1 offenbar den anderen Rundwanderweg A 5, aber da die Tafel am Ausgangspunkt darüber keine Auskunft gab, weiß man nicht, wohin er führt.

Erst nach 15 Minuten begegnen wir wieder zwei Wanderern, beide im Sonntagsstaat. Nach 25 Minuten erreicht man den nächsten Parkplatz, „Kreuzeiche“. Von 30 Parkplätzen sind nur 14 besetzt, zwei Gruppen schmausen unter Bäumen. Beim Studium der hier aufgestellten Wandertafel merkt man – leider zu spät –, daß die Rundwanderwege auch untereinander verbunden sind, so daß man die Wanderungen unter Einbeziehung von anderen Routen beliebig ausdehnen könnte, auf drei, vier oder fünf Stunden.

Vom Parkplatz „Kreuzeiche“ führt der Weg zurück über einen Höhenzug mit schöner Aussicht durch ein Tal. Nach zehn Minuten treffen wir wieder die beiden Spaziergänger im Sonntagsstaat. Kurz vor dem Ziel liegt am Weg ein Wassertretplatz. „Wassertreten höchstens 1 Minute, Anfänger 20 Sekunden“, verkündet ein Schild. „Da lohnt es sich ja gar nicht, die Strümpfe auszuziehen, für 20 Sekunden“, bemerkt ein Dortmunder und geht schnurstracks zurück zum Auto.

Nach einer guten Stunde ist der Ausgangspunkt wieder erreicht, also in einer halben Stunde weniger als angegeben.