So erfreulich die Fortschritte in Deutschland sein mögen, gegenüber der japanischen Konkurrenz nehmen sie sich noch immer winzig klein aus. Dort sind gegenwärtig im Bau oder in der Planung fünf Docks, auf denen Schiffe bis zu 500 000 Tonnen Tragfähigkeit gebaut oder repariert werden sollen. Vier Werften richten ihre Anlagen für 300 000 Tonner her und 4 weitere Schiffsbauunternehmen wollen künftig mindestens 200 000 Tonnen Schiffe bauen oder reparieren. Kein Wunder, daß die japanische Werftindustrie, ohne sich zu genieren, für sich in Anspruch nimmt, auch in der Zukunft der Welt führende Schiffsbaunation zu bleiben. Aber nicht nar die größeren Kapazitäten in Japan machen den deutschen Schiffbauern Sorgen. Ihr größter Kummer ist die Auftragsfinanzierung.

Die deutschen Großwerften schwimmen im Augenblick auf einer Woge des Erfolges, doch manche haben bereits das kommende Wellental vor Augen. Nicht nur, daß der Auftragsboom kaum unverändert auf der gegenwärtigen Höhe bleiben wird, die Container Schiffe sind im Kommen und werden andere Frachter beschäftigungslos machen. Die Werften müssen mit ruhigeren Zeiten rechnen, wenn es ihren Kaufleuten nicht gelingt, ständig neue Kredite — staatliche oder private — für den Schiffbau der Zukunft zu ergattern.

Bundeswirtsdiaftsminister Karl Schiller, Globalsteuermann der Großen Koalition, hat es bisher geschickt verstanden, einem offiziellen Gespräch mit den deutschen Werften auszuweichen. Selbst die Einladung der Esso zu einer festlichen Schiffstaufe in Kiel konnte ihn nicht an die Küste locken. Wenn sich nicht bei einer internen SPD Verarialtung in Bremen ein Gespräch mit Vorstandsmitgliedern deutscher Werften ergeben hätte, könnten die Werftmanager fast glauben, dahinter stände Methode.

Allerdings rechnen sie damit, daß Schiller eines Tages bestimmt für sie Zeit haben wird, spätestens 1969 nämlich, wenn sich die großen Werften wieder um Anschlußaufträge bemühen müssen. Und dieser Zeitpunkt liegt unmittelbar vor der nächsten Bundestagswahl.