Von Wolfram Schwinger

Vom Vergnügen Brechts, seine Worte gesungen zu hören, hat Paul Dessau oft erzählt. Als der Komponist wenige Wochen vor Brechts Tod im Jahre 1956 das erste und leider letzte Gespräch mit dem Stückeschreiber über seine Pläne hatte, nach dem „Lukullus“ nun auch aus dem „Puntila“ eine Oper zu machen, gab Brecht begeistert Ratschläge.

Den Text haben dann Palitzsch und Wekwerth für die Oper bearbeitet. Natürlich mußte dabei manche Szene gestrichen werden (Dessau bekennt, wie schmerzlich das war), es gab aber auch Erweiterungen um Szenen aus Cavalcantis Puntila-Film und um den bei Schauspielaufführungen meistens gestrichenen großen Gesindemarkt.

Vor allem der erste Teil wirkt nun sehr geschlossen, weil er Puntila auf seiner abenteuerlichen Sauftour zeigt ohne die Einblendungen der Bilder auf dem Gut, wo seine Tochter auf ihn wartet. Eva erscheint erst im zweiten Akt.

Als Dessau in den Jahren 1956/59 das Volksstück „Herr Puntila und sein Knecht Matti“ komponierte, erreichte er die höchste Stufe seiner über Jahrzehnte sich erstreckenden Brecht-Vertonungen.

Die fertiggestellte Puntila-Partitur blieb jahrelang bei Felsenstein liegen, dem sie ursprünglich zugedacht, aber dann musikalisch wohl zu kompliziert war. Deshalb konnte die Uraufführung erst im November 1966 stattfinden, nicht in der Berliner Komischen Oper, sondern nebenan, in der Staatsoper Unter den Linden.

Die Inszenierung von Ruth Berghaus, Dessaus Frau, war ein sensationelles Ereignis. Doch der Komponist brannte darauf, sein Werk an einer kleineren Bühne erprobt zu sehen, zum Beweis, daß dessen exorbitante Schwierigkeiten auch von einem „normalen“ Theaterbetrieb zu bewältigen sind. Und so war es ihm wohl recht, daß Stuttgart zögerte und Wuppertal Zugriff.