Daß Angebot Nachfrage schafft, das ist eine Regel, die jedem Kaufmann geläufig ist und die sich bisher immer noch und immer wieder bestätigt hat. Daß dieses Gesetz aber nicht nur für Brötchen, Würstchen, Eis am Stiel und sonstige banale Wirtschaftsgüter, sondern auch für Werke der bildenden Kunst, also für Ölbilder, Plastiken und Graphiken gilt, daran glaubte man bisher zweifeln zu müssen. Hinter solchen Zweifeln, die nicht nur von studierten Besserwissern, sondern auch und gerade von Kunsthändlern geteilt wurden, stand die Überlegung – oder, sagen wir lieber, der Mythos –, daß es sich bei Kunstwerken um Werke besonderer Art handele, die man nicht ungestraft zum offenen Markte trage, weil sie damit um ihren Nimbus gebracht würden.

Seit einer Woche aber, genauer, seit der Kunstmesse des „Vereins progressiver deutscher Kunsthändler“ im Kölner Gürzenich, ist dieser Mythos zerstört. Die Tatsache, daß dort achtzehn Galerien, die sich ein Herz gefaßt und erstmals einen Kunstmarkt nach dem Vorbild anderer Märkte veranstaltet und innerhalb von fünf Tagen für über eine Million Mark Werke moderner und modernster Kunst an den Mann gebracht haben, spricht für sich. Denjenigen, die das Staunen noch nicht verlernt haben, sei gesagt, daß es sich bei dieser Million um etwa ein Viertel des Gesamtumsatz zes handelt, den die deutschen Avantgarde-Galerien normalerweise im Laufe eines ganzen, langen Jahres erzielen. W. B.