Der Zeitpunkt war mit Bedacht gewählt. Axel Springer nahm eine Begradigung seiner Zeitungsfront just in dem Augenblick vor, in dem die deutschen Zeitungsverleger in Hamburg zu ihrer Jahrestagung zusammengekommen waren und ein erster Bericht der Pressekommission über die Lage der Zeitungen und die Folgen der Konzentration im Pressewesen der Bundesrepublik vorgelegt wurde: Er stellte die Herausgabe des Düsseldorfer Boulevardblattes der „Mittag“ ein.

Die Begründung, von „Bild“ mit der Überschrift versehen: „Für andere gestorben“, soll die Verlegerkollegen zu einem Dankeschön veranlassen. Um die Existenz der mittleren und kleineren Zeitungsverlage in Nordrhein-Westfalen nicht zu gefährden, so hieß es, sei das Boulevardnicht (Anton Betz, Verleger der Boulevard-Post“, war Mitinhaber) zu Grabe getragen worden. Es hätte, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein, den regionalen Zeitungen lokale Anzeigen wegnehmen müssen. „Sie (Springer und Betz) hätten mit ihrer wirtschaftlichen Kraft kleineren Verlagen Schwierigkeiten machen können. Statt dessen haben sie sie geschont“, schreibt „Bild“ und fügt hinzu: „Dennoch werden Springers Gegner mit Sicherheit diesen praktischen Beitrag für die Erhaltung möglichst vieler Zeitungen nicht anerkennen, weil sie einfach nichts anerkennen wollen, was Springer tut.“

Nun, einer von ihnen, Springer-Gegner und Springer-Geschäftsfreund in einem, Rudolf Augstein, erkannte diesen Beitrag wohl an und präsentierte sich umgehend als Käufer, „um die Vielfalt im Pressewesen zu erhalten und den ‚Mittag’-Journalisten die Arbeitsplätze zu sichern“: Für eine runde Million ist der Spiegel-Herausgeber willens, Titel und Verlagsrechte des „Mittag“ zu kaufen. Er will in alle Dienst- und Werkverträge des Verlages einsteigen und verpflichtet sich, das Blatt mindestens zwei Jahre lang weiterzuführen.

Derweil ist die Diskussion um die Pressekonzentration weitergegangen. Die Zeitungsverleger haben Stellung bezogen: Hier die „Liberalen“, die den Bericht der Pressekommission gutheißen und sich einig sind, daß „Verleger zu sein, heißt eine öffentliche Aufgabe zu erfüllen, sie heißt nicht, den Gewinn zu maximieren“. Und dort jene, die ihre reaktionäre Gesinnung offenbaren, wenn sie den Satz aus dem Bericht der Pressekommission beanstanden: „Eine freie Presse als Wesenselement des freiheitlichen Staates ist nicht nur das Werk der Verleger, sondern vornehmlich auch das der Journalisten.“

Von der Warte des alten Journalisten aus betrachtet der Hamburger Bürgermeister Professor Herbert Weichmann den Zeitungs-Streit und schrieb den Streithähnen einige behutsame aber auch deutliche Worte ins Stammbuch. Seiner Rede, die er am Dienstag vor den deutschen Zeitungsverlegern in Hamburg hielt, ist der nebenstehende Auszug entnommen. v. K.