Eine Notenbank muß nicht zwangsläufig die gleiche Meinung vertreten wie die Regierung. In der Vergangenheit hat es oft genug Situationen gegeben, in denen die Deutsche Bundesbank weder die Ansichten Bonns teilte noch bereit war, mit ihrer Politik die offizielle Wirtschaftspolitik zu unterstützen.

Jetzt scheint es, daß Bonn und Frankfurt sich besser aufeinander abgestimmt haben, auch wenn die letzte Mindestreservensenkung – wie zu hören war – im Zentralbankrat nur mit einer geringen Mehrheit gutgeheißen wurde. Auch der Beschluß der Bundesbank, künftig öffentliche Anleihen für eigene Rechnung zu kaufen und damit den Rentenmarkt zu stützen, deutet darauf hin, daß Bundesbankpräsident Karl Blessing entschlossen ist, den Kurs der Regierung zu unterstützen. Denn dazu gehört nun einmal die Pflege des Kapitalmarktes, auf dem die öffentlichen Hände Schlange stehen, um ihren Kreditbedarf zu befriedigen.

Das bedeutet keineswegs, daß die Bundesbank nun ihre Hauptaufgabe, die Stabilität der Währung zu sichern, außer acht läßt. Bei Wahrung dieser Aufgabe ist sie aber durch das Bundesbankgesetz verpflichtet, die allgemeine Wirtschaftspolitik der Bundesregierung zu unterstützen.