Ein neues Argument für die Hypothese von der Kontinental-Drift

Kürzlich veröffentlichten neun Wissenschaftler des Massachusetts Institute of Technology und der Universität von São Paulo ein Forschungsergebnis, das ein überaus stichhaltiges Argument für die Annahme liefert, daß Südamerika und Afrika Teile eines Kontinents gewesen sind, die vor etwa 200 Millionen Jahren auseinandergerissen wurden.

Wie die Steine eines Puzzle-Spiels passen die beiden Erdteile an ihren atlantischen Küsten ineinander. Das hatte schon zu Beginn des siebzehnten Jahrhunderts den englischen Staatsmann und Philosophen Sir Francis Bacon zu der Vermutung veranlaßt, die beiden Kontinente hätten vor Jahrmillionen eine einzige Landmasse gebildet, die eines Tages auseinanderbrach und deren Teile sich fortan langsam aber stetig voneinander entfernt hätten. Anfang dieses Jahrhunderts griffen einige Geologen – zu ihnen gehörte Alfred Wegener – diesen Verdacht wieder auf. Sie postulierten, daß nicht nur Südamerika und Afrika, sondern alle Kontinente der Erde ursprünglich in einer riesigen Festlandmasse vereint gewesen seien.

Seither sind viele Gründe für und wider die Hypothese von der Kontinentalverschiebung vorgebracht worden. Für die Theorie sprechen einige geographische und geologische Indizien, zum Beispiel Küstenformen, die gut ineinander passen, Ähnlichkeiten in Beschaffenheit und Alter der Gesteine an den vermeintlichen Nahtstellen des Urkontinents und neuerlich auch paleontologische und geomagnetische Befunde. Dagegen steht hauptsächlich der Einwand, daß sich die Drift der Erdteile physikalisch nicht recht erklären läßt.

Das von Professor Patrick M. Hurley geleitete amerikanisch-brasilianische Forscherteam, dessen Untersuchungsergebnisse in der Zeitschrift „Science“ (4. August) veröffentlicht wurden, ging von der schon seit einigen Jahren bekannten Tatsache aus, daß von einem Punkt in der Nähe der ghanesischen Hauptstadt Akkra aus nach Norden eine scharfe Altersgrenze des vorherrschenden Gesteins verläuft. Westlich dieser Grenze hat sich das Gestein vor zwei Milliarden, und östlich der Trennungslinie vor 550 Millionen Jahren gebildet.

Diese in Afrika so ausgeprägte Linie, so sagten sich die Wissenschaftler, müßte sich in Südamerika fortsetzen, wenn die beiden Kontinente einmal eine Landmasse gebildet haben; und wenn man die Erdteile so zusammenfügt, daß ihre Küstenlinien optimal ineinanderpassen, dann müßte die Altersgrenze des Gesteins wenige Kilometer östlich der brasilianischen Stadt São Luis landeinwärts verlaufen.

Die Forscher aus Massachusetts und Brasilien führten in jenem Gebiet geochronologische Untersuchungen durch und fanden tatsächlich just dort, wo sie nach den theoretischen Überlegungen liegen müßte, die Fortsetzung der afrikanischen Trennungslinie. Westlich davon ergab sich ein Gesteinsalter von zwei Milliarden und östlich ein Alter von 550 Millionen Jahren – wie in Afrika.

Die bislang an 150 Gesteinsproben nach zwei Radioisotopen-Datierungsverfahren durchgeführten Messungen brachten mithin genau das Resultat, das nach der Theorie der Kontinentalverschiebungen in diesem speziellen Fall zu erwarten gewesen war. Victor Gero