Die Verlage der DDR (und mit ihnen auch die der Sowjetunion und der anderen sozialistischen Staaten) wollen nun doch noch an der Frankfurter Buchmesse teilnehmen. Zwar konnten sie ihre Forderung, auch die „namensgleichen“ Verlage in Frankfurt zuzulassen, nicht durchsetzen. Aber sie haben offenbar begriffen, daß diese Forderung aus zivilrechtlichen und nicht aus politischen Gründen vorläufig unerfüllbar ist, und sich mit den Angeboten des Frankfurter Börsenvereins zufrieden gegeben: Der Staatsverlag der DDR darf ausstellen, desgleichen das Zentralantiquariat der DDR, die Ausstellung „Schönste Bücher der DDR“ wurde genehmigt; und auch die Verlage, deren bundesrepublikanische Namensvettern keinen Einspruch erheben, nämlich Dietz und Rütten & Loening, werden in Frankfurt vertreten sein.

Wichtig wurde bei dem Hin und Her ein Wort genommen: Verständnis. Der Frankfurter Börsenverein hatte in Leipzig um „Verständnis“ dafür nachgesucht, daß man die namensgleichen Verlage nicht zulassen könne. Leipzig lehnte es ab, dieses Verständnis aufzubringen. Frankfurt verzichtete auf das Verständnis. Natürlich handelte es sich nicht eigentlich um jenen Akt des Begreifens, den das Wort Verständnis meint: In Leipzig wollte man die Aussperrung der umstrittenen Verlage nicht ausdrücklich anerkennen und sich die Möglichkeit offenhalten, die gleiche Forderung zu gegebener Zeit zu wiederholen. Und sie wird mit Sicherheit wiederholt werden.

Für diesmal noch ist die Internationalität der Frankfurter Buchmesse gerettet. Aber damit wurde die Frage nur vertagt. Der Börsenverein sollte die Zeit nutzen, um klare Verhältnisse zu schaffen, wo er sie schaffen kann, damit er das nächste Mal gerüstet ist. D. E. Z.