Neue, bedeutsame Planungen“ will das Forschungsministerium Minister Stoltenbergs in Angriff nehmen. Das Bundeskabinett stellte im Entwurf des Haushaltsplans 1968 die Mittel dazu bereit. Damit soll „die gute Durchschnittsstellung“, die die Bundesrepublik nach den Worten des Ministers in Forschung und Technik innerhalb Westeuropas erreicht hat, zumindest gehalten werden.

Der Etat des Forschungsministeriums wird 1968 von 1,61 Milliarden Mark auf 1,93 Milliarden (plus 20 Prozent) steigen. An „bedeutsamen Planungen“ sollen damit gefördert werden:

  • Die Meeresforschung;
  • acht regionale Großrechenzentren;
  • eine Trägergesellschaft für angewandte Forschung;
  • Ausbau und Betrieb des Kernforschungszentrums Jülich;
  • Entwicklung der Plutonium-Technologie;
  • Kernenergie-Direktumwandlung.

Gegenwärtig werden in der Bundesrepublik jährlich 28 Millionen Mark für die Meeresforschung ausgegeben. Hinzu kommen die Beiträge aus dem Forschungsministerium (5 Millionen Mark 1968, etwa 25 Millionen bis 1971). In den USA werden heute schon jährlich rund 600 Millionen Dollar für die Erforschung der Tiefsee und die Suche nach Rohstoffen auf dem Meeresboden (Mineralöl, Kupfer, Nickel, Mangan) aufgewendet. Frankreich will die Mittel für die Ozeanographie von bisher 70 Millionen Franc auf 130 bis 140 Millionen aufstocken. In den USA, Frankreich und England gilt die Erforschung des Ozeans als das wichtigste Zukunftsgebiet neben der Kern- und Weltraumforschung.

Für acht regionale Großrechenzentren sind 1968 erstmals 7 Millionen Mark vorgesehen. Hinzu kommen Bindungsermächtigungen über 14 Millionen. Bis 1971 werden die jährlichen Ausgaben auf 20 Millionen Mark steigen. Die Rechenzentren sollen gleichzeitig von mehreren Hochschulen und Forschungseinrichtungen genutzt werden.

Die Trägergesellschaft für angewandte Forschung (vorgesehen für 1968 sind 2 Millionen Mark) soll zu einer engeren Verbindung zwischen den Instituten der Grundlagenforschung und der Industrieforschung führen.

Die Mittel für die Atomforschung steigen von 560 Millionen Mark 1967 auf 664 Millionen Mark im kommenden Jahr. Weitere 157 Millionen Mark gehen an Eurotam. Der Bund verhandelt zur Zeit mit Nordrhein-Westfalen über eine 50prozentige Beteiligung am Kernforschungszentrum Jülich und will sich mit 57 Millionen Mark an Ausbau und Betrieb beteiligen. Innerhalb eines 30-Millionen-Programms sind 1968 erstmals 4 Millionen für die Plutonium-Technologie vorgesehen. Die Kernenergie-Direktumwandlung bei der Stromerzeugung wird innerhalb eines Mehrjahresprogramms 1968 erstmals mit 2,4 Millionen Mark gefördert.