Erstmals seit Gründung der Vereinten Nationen im Jahre 1945 hat der Vertreter eines kommunistischen Landes auf der grünen Marmorempore im Plenarsaal "des New Yorker Glaspalastes Platz genommen: Der rumänische Außenminister Manescu präsidiert der 22. UNVollversammlung.

Das Parlament der Weltorganisation tagt auch weiterhin im Schatten der Nahostkrise, mit der sich die Delegierten in einer Sondersitzung schon monatelang herumgeschlagen hatten. Es wird in den nächsten Wochen nicht an neuen Vorschlägen fehlen. Fraglich ist noch immer, ob sich die USA und die Sowjetunion auf einen Truppenrückzug der Israelis bei gleichzeitiger Anerkennung ihres Staates einigen können. Mitte Juli war ein solcher Ausgleich am Widerstand der arabischen Delegierten gescheitert. Jetzt machte der sowjetische UN Botschafter Federenko die "imperialistische Politik Washingtons, Londons und Bonns" verantwortlich für das Scheitern der Friedensbemühungen.

Wenig Aussicht auf Erfolg hat der Vorstoß, den der amerikanische Delegierte Goldberg vor Beginn der Herbstsitzung in Sachen Vietnam unternahm. Nordvietnam ist nicht Mitglied der Weltorganisation. Die Sowjetunion zeigte sich daher auch nicht bereit, eine amerikanische Friedensinitiative im Weltsicherheitsrat zu fördern.

Einen neuerlichen Aufruf zum Frieden verband UN Generalsekretär U Thant am vorigen Wochenende mit einer Warnung an die USA: Wie er erfahren habe, sei Nordvietnam mit befreundeten Mächten übereingekommen, "daß seine Luftwaffe mit Freiwilligen, einschließlich Piloten, Schützen und Ingenieuren, versorgt wird". U Thant scheint zu befürchten, daß sich der Krieg in Vietnam durch die Beteiligung von Freiwilligen, wahrscheinlich Chinesen, weiter ausweitet.

Er appellierte daher dringend an die USA, das "begrenzte Risiko" auf sich zu nehmen und die Bombenangriffe auf Nordvietnam für drei oder vier Wochen einzustellen. Er sei sicher, daß dann binnen kurzem "aussichtsreiche Gespräche zwischen Hanoi und Washington" stattfinden würden.

Unter den mehr als 90 Tagungsordnungspunkten der Vollversammlung findet sich auch wieder der Antrag auf Zulassung Chinas zur UN. 1965 war die Abstimmung über diesen Antrag mit 47:47 dramatisch ausgegangen. 1966 war er mit 56 zu 47 Stimmen bei 17 Enthaltungen abgelehnt worden. Dieses Jahr rechnet man angesichts des chinesischen Revolutionschaos kaum mit einem besseren Ergebnis.