Wer finanzierte, wer finanziert Bärs GmbH? Die Geldgeber blieben bis heute anonym. Es werden genannt: das Ostbüro der SPD, die Organisation Gehlen, das Ministerium für gesamtdeutsche Fragen (Bär ist oder war mit Ernst Lemmer befreundet), der Reptilienfonds, der Vatikan und die CIA.

Fest steht, daß die Tarantel in ihrer ersten Zeit eng mit dem der SPD und den Gewerkschaften verbundenen Telegraf zusammenarbeitete und später mit schattigen Organisationen wie der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, die damals in Berlin zahlreich gediehen.

Einigen Indizien läßt sich aber entnehmen, daß in erster Linie doch die Amerikaner dahinterstehen: den Fragebogen zum Beispiel, die prospektiven Mitarbeitern vorgelegt wurden und die auffallende Ähnlichkeit mit denen der Amerikaner hatten; und der Schnelligkeit, mit der Personalauskünfte aus anderen Erdteilen herbeigeschafft wurden. Wie dem auch sei: Es sind dunkle Quellen, von denen sich manch ein Journalist um keinen Preis ausgehalten wissen möchte.

Daß auch der Vatikan als einer der Gönner genannt wird, mag vielen als aberwitzige Spekulation erscheinen. Gerade dafür jedoch gibt es einen Zeugen, eben jenen Mr. Casewit, der Ende der fünfziger Jahre für die englischsorachige Presse Lobpreisungen der Tarantel schrieb, abgedruckt in dem Buch, mit dem der Verlag Heinrich Bär sich und seine Mäzene 1960 zum zehnjährigen Jubiläum beglückwünschte. Dort, oder sonst im Catholic Home Messenger vom November 1959, ist nachzulesen: „,Der Vatikan hat mir auf verschiedene Art geholfen’, sagt Bär. ‚Von der katholischen Kirche habe ich die größte ideologische Unterstützung erhalten.‘ Auch praktische Unterstützung ist ihm zuteil geworden...“

Jener Artikel stellt übrigens eine höchst kuriose – ebenso erheiternde wie erschreckende – Mischung von fanatischem Katholizismus und Antikommunismus dar. Um ihn ganz auszukosten, muß man allerdings wissen, was sonst niemanden etwas anginge: daß Bär zweimal geschieden und ein phänomenaler Trinker ist.

Bär, schrieb Casewit also, „besteht darauf, daß seine Angestellten – egal, welchem Glauben jeder einzelne anhängt – wenigstens einen katholischen Grundsatz befolgen: den der Keuschheit. Im August 1958 zum Beispiel kam ein junges Mädchen in Bärs Westberliner Hauptquartier mit der tieftraurigen Geschichte, daß einer der neuen Graphiker des Verlages sie zu verführen versucht habe... Im Innersten schockiert, rief Bär den beschuldigten Künstler zu sich. Hatte er solches wirklich getan? Der Mensch stritt ab, das Mädchen zu kennen. Bär stieß die Tür zum Nebenzimmer auf. Dort war das Mädchen. Der Künstler brach zusammen und gestand seine Verworfenheit. Bär kündigte ihm auf der Stelle... Am allerstolzesten ist Bär auf das Papstbildnis, das Seine Heiligkeit Enrico Baer mit Omaggio della Cancelleria Lateranese dedizierte. Bär ist einer solchen Widmung wohl würdig; immer wird er katholischen Prinzipien treu sein – Keinem Angestellten läßt er den Verstoß gegen die Gebote durchgehen. ‚Wenn wir die Roten bekämpfen wollen‘, sagt Bär, ‚dann sollten wir sauberer sein als die Roten.‘ “

Diesem sauberen Unternehmen also ist die Sumpfente über Arnold Zweig zu danken, an die ein paar Springer-Redakteure so gern glauben wollten, daß sie ihr berufliches Mißtrauen in den Wind schlugen. Nun ist die Veröffentlichung von Nachrichten aus totalitären Staaten, das liegt in der Natur der Dinge, immer riskant. Hier aber wäre Gelegenheit zur Überprüfung gewesen; und es bestand Anlaß genug, von vornherein einen weniger süffisanten Ton anzuschlagen.