FÜR die Gesamtdeutschen unter den Studenten, Professoren oder sonstwie mit der Universität Befaßten –

Ernst Richert: „Sozialistische Universität“ – Die Hochschulpolitik der SED; Colloquium Verlag, Berlin; 280 S., Ln. 26,80, Studienausgabe 16,80 DM.

ES ENTHÄLT den im wesentlichen chronologisch ablaufenden Bericht über ein bildungspolitisches Experiment, von dem in der Bundesrepublik bisher, wenn überhaupt, nur Kenntnis durch eine Reihe von Dokumentationen genommen wurde. Von den ersten Anfängen sozialistischer Hochschulpolitik in Deutschland gleich nach 1945 bis zur Etablierung der Hoch- und Fachschulen als der Fortsetzung des reinen Schulbetriebs im „einheitlichen sozialistischen Bildungssystem“ wird der Weg nachgezeichnet, auf dem die „optimale Entwicklung der ‚Produktivkraft Mensch‘“ erreicht werden soll.

ES GEFÄLLT, weil ohne viel Parteilichkeit berichtet wird; weil die Analyse die so befremdliche Entwicklung in der DDR ernst nimmt und es strikt vermeidet, auf die Hilflosigkeit, die die akademischen Entscheidungen der SED nur zu häufig bestimmte, den Kübel westlichen Bildungshochmuts auszuleeren. Ohne Hysterie zu untersuchen, „was ist und wird, wenn eine Führung zwanzig Jahre lang Teile einer selbst fragmentarischen Gesellschaft durch die Mühle von ‚advanced studies‘ dreht (und immer mehr drehen muß), was dabei aus den Teilnehmern des Prozesses, aus der Gesamtgesellschaft, aus dem Instrumentarium des Prozesses und aus den Materien wird, an denen man sich schult und die man erforscht“, das ist das Thema dieses analytischen Berichts, der schließlich doch die Frage übrig läßt, ob und wie weit sie denn schließlich so ganz anders sind als wir.

Hilke Schlaeger