Erfolge überläßt man nicht dem Zufall – schon gar nicht, wenn man eigentlich Generalstabsoffizier werden wollte. „Wichtige Verhandlungen, besonders auf internationalem Parkett, müssen exakt vorausgeplant und, in allen Einzelheiten vorbereitet werden“, schärft deshalb Hans Erich Bachem, Vorstandsmitglied der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KW), seinen Mitarbeitern immer wieder ein. Er selbst legt sich bei allen Plänen, die er verfolgt, für alle wichtigen Besprechungen und Konferenzen, einen genauen Schlachtplan zurecht, dessen Details er mit Hingabe ausarbeitet.

Zwischen Frankfurt, Washington, Bonn, Rio und Karatschi, bei Verhandlungen mit Regierungsvertretern, der Weltbank oder Wirtschaftsführern aus den Industrie- und Entwicklungsländern findet der dynamische, siebenundvierzigjährige Bankmann ausreichend Gelegenheit, sein Rezept zu erproben. Die vielfältigen, weltweiten Aktivitäten der KW stellen ihn dabei vor immer neue Probleme und Aufgaben, die sich mit dem traditionellen Rüstzeug eines Bankfachmannes allein nicht lösen lassen. Neben Bundeswirtschaftsminister Schiller und Bundesbankpräsident Blessing nimmt Bachem gegenwärtig als Vertreter der Kreditanstalt für Wiederaufbau an der Weltbankkonferenz in Rio de Janeiro teil.

Er hätte dort wenig zu suchen, wenn Name und Aufgaben der Kreditanstalt noch übereinstimmen würden. Aber außer der ursprünglichen Bezeichnung hat das etwas abseits vom Trubel der City in der Frankfurter Lindenstraße gelegene Institut kaum noch etwas mit der KW gemein, die 1948 durch Gesetz ins Leben gerufen wurde. Um die deutsche Wirtschaft nach der Katastrophe des verlorenen Krieges wieder anzukurbeln, waren gewaltige Investitionen notwendig. Einen großen Teil dieser Mittel mußte der Staat bereitstellen. Das Institut, über dessen Konten diese Hilfe abgewickelt wurde, war die Kreditanstalt für Wiederaufbau (noch heute als öffentlich-rechtliche Anstalt im gemeinsamen Besitz des Bundes und der Länder). 1951 wurde der KW auch die Finanzierung der Exportgeschäfte inländischer Unternehmer übertragen.

Mit fortschreitendem Wiederaufbau verlagerte sich die Geschäftstätigkeit der KW immer mehr auf eine allgemeine Förderung der Wirtschaft – sei es, daß sie die Konkurrenzfähigkeit deutscher Exporteure durch die Bereitstellung günstiger, langfristiger Kredite stützte; sei es, daß sie, ohne den Geschäftsbanken Konkurrenz zu machen, nicht emissionsfähigen Betrieben durch Kredite bei der Rationalisierung half oder die Produktionsumstellung solcher Firmen förderte, die auf Grund der veränderten wirtschaftlichen Verhältnisse in Schwierigkeiten gerieten.

Unter Förderung der deutschen Wirtschaft versteht man bei der KW auch die Kreditgewährung an ausländischen Darlehensnehmer, wenn dadurch neue Rohstoffquellen für die deutsche Wirtschaft erschlossen werden können. Erich Bachem gibt zu, daß er alle Projekte, die diesem Ziel dienen, mit größtem Interesse verfolgt – „besonders wenn es sich um Kupfer handelt“. Nicht ohne Stolz weist er darauf hin, daß durch die Beteiligung der KW an der Erschließung afrikanischer Kupfervorkommen der deutschen Industrie umfangreiche Lieferungen dieses unentbehrlichen Metalls gesichert werden konnten. Da Hans Erich Bachem innerhalb des Vorstandes für den Bereich Afrika und Asien zuständig ist, fällt es nicht schwer, seinen Anteil an diesem Geschäft abzuschätzen.

„Rund 45 Prozent unserer Kredite und sicherlich mehr als 60 Prozent unserer Arbeit sind aber heute einer anderen Aufgabe gewidmet.“ Damit weist Bachem darauf hin, daß die KW 1961 durch eine erneute Gesetzänderung auch zur Entwicklungsbank des Bundes wurde, nach seiner Ansicht „die beste Einrichtung dieser Art“. Die USA haben versucht, ein ähnlich konstruiertes Institut aufzubauen, aber es ist ihnen nicht gelungen. Seit 1961 übernimmt die Frankfurter Kreditanstalt die bankmäßige Abwicklung aller Darlehen, die im Rahmen der staatlichen deutschen Kapitalhilfe an Entwicklungsländer gewährt werden.

Nicht zufällig war 1961 auch das Jahr, in dem Erich Bachem wieder zur KW zurückkehrte. Diesmal nahm er gleich in einem der vier Vorstandssessel Platz. 1949, als sein Name zum erstenmal in den Gehaltslisten der Kreditanstalt erschienen war, beschäftigte man ihn für ein Salär von ganzen 350 Mark monatlich damit, Zeitungen „mit der Schere zu lesen“. Die Vorbildung, die Bachem dafür mitbrachte, waren sechs Jahre Kriegserfahrungen als Frontoffizier und Generalstäbler, die ihm fünf Verwundungen und das Ritterkreuz eingetragen hatten, sowie vier Jahre wirtschaftswissenschaftliche Studien in Köln, an deren Ende die Diplomprüfung stand. Immerhin blieb es nicht lange beim Zeitungsschnippeln. Bald fand man in der KW wichtige und verantwortungsvollere Aufgaben für einen Mann, der von seiner Umgebung gelegentlich als Arbeitstier bezeichnet wird.