Berlin

Jeder habe den Hund, den er verdiene, sagt Margot Hahm, die erste Frau Deutschlands, die sich das Goldene Hundeführerabzeichen an ihre Lederjacke stecken konnte.

Margot weiß alles über den Deutschen Schäferhund. Sie diente beim Heereshundedienst, damals in Sperenberg bei Zossen. Sie spricht vom Eisernen Kreuz zweiter Klasse, das man den ve dienten Getreuen an die Lederhalsbänder he tete, von ihrem Ruf als Gemütshunde, deren gute Anlagen man nicht vergeuden dürfe. „Schäferhunde gehören nicht in Laienhände, dort verderben sie unser Rassebild.“

Es ist ein Samstagmorgen mit ersten herbstlichen Dünsten. Auf der von der Charlottenburger Ortsgruppe im Verein für Deutsche Schäferhunde e.V. gepachteten Lichtung an der Heerstraße sitzt und bellt, an Pflöcken angebunden, „erstklassiges Material“. Von üblichen Wochenendtagen, an denen „wir mit unseren vierbeinigen Freunden im Freien arbeiten“, unterscheidet sich dieser Tag dadurch, daß niedersächsische Gäste der Ortsgruppe Lüchow die „Mühe nicht gescheut haben“, mit ihren Hunden angereist zu sein.

In der gartenhausgroßen Kantine spricht man über Schäferhunde. Man hat geflaggt, Charlottenburger Wimpel und Lüchower Stadtfahne. Man zeigt Photos von lebenden und verstorbenen Schäferhunden: „Arko war ein toller Brocken.“ An der Wand hängt das Gedicht „Der Hundefeind“. Der Zwölfzeiler will bekehren zum Freund, der im „Dunkel des Lebens“ die „Sonne der Treue“ scheinen läßt. Erbsensuppe in drei Wärmekanistern. Für nachher, wenn die „Schlachtenbummler“ was Warmes brauchen. Bier gibt’s schon vorher. Wasser für die Hunde in Plastikflaschen. Frau Hahm, mütterliche Koryphäe im Schäferhundwesen, hat für alles gesorgt: Sogar für Kleenex-Feuchtwaschtücher, wenn die Schutzhundprüfungen I, II und III vergessen sind, und die allgemeine Geselligkeit zu Wort kommt.

Vor der Tür liegt ein abgestreifter sogenannter Hetz- oder Beißarm, jenes Utensil, in das sich der Scheinräuber, hier „Figurant“ genannt, hineinbeißen läßt. Der Figurant aus Lüchow erzählt, daß die Beißkraft eines Deutschen Schäferhundes bis zu sechs Zentnern beträgt. Auf dem abgesteckten Terrain arbeitet jetzt die Schutzhundklasse III. Das ist das Äußerste an anerzogenem Hundegehorsam. Die Gesichter hinter der Absperrung spiegeln Stolz. Man klatscht, wenn der Hund tüchtig ist. Man buht, wenn der Hundehalter nicht streichelt, sondern rügt. Dem Neuling auf der Ortsgruppenlichtung wird erklärt, daß Schäferhunde auf der linken Seite des Herrn „Platz“ machen, weil links „die liebende Hand“ und rechts „die strafende Hand“ ist.

„Schäferhunde sind keine Aggressivhunde“, sagt Frau Hahm. Nur die Umwelt könne sie dazu „verkorksen“. Aber gut müssen sie sein in der Defensive. Das wußten auch die Japaner, die manchmal für einen gekürten deutschen Rüden bis zu 40 000 Mark zahlen. Der Schäferhund, das sei ein Artikel wie Mercedes, weltweit anerkannt, als deutscher Hund übersetzt in alle Sprachen zwischen Feuerland und Hammerfest. Nur England mache da eine Ausnahme. Dort spräche man vom „elsässischen Schäferhund“, aus Mißgunst wahrscheinlich, weil Hunde als englische Urdomäne angesehen würden.