Kein Vernünftiger glaubt inzwischen noch an die Existenz von Briefen, in denen Arnold Zweig den Antisemitismus in der DDR beklagt und das Leben dort eine Hölle genannt haben soll.

Das „Hamburger Abendblatt“ entschuldigte sich spät, aber nobel; der „Berliner Morgenpost“ ging die Entschuldigung nicht ohne einiges Stottern über die Setzmaschinen; der „Düsseldorfer Mittag“ hatte infolge Dahingeschiedenseins keine Möglichkeit mehr, sich zu entschuldigen.

Daß ausgerechnet drei Springer-Zeitungen – und sonst keine – die gleiche Meldung aus trüber Quelle groß herausknallten, muß und wird in Zukunft immer einmal wieder als Gegenbeweis gegen die behauptete redaktionelle Unabhängigkeit dieser Zeitungen zitiert werden. Gewiß kann jeder sich irren: Aber hier wurde doch erschreckend einmütig geirrt.

Und mit der tarantel-press‚ die als: Verbreiter der Fälschung feststeht, will niemand mehr etwas zu tun haben. Das Gesamtdeutsche Ministerium beeilt sich zu versichern, von ihm erhalte das Unternehmen keine Gelder. Und ein West-Berliner Journalist Karl-Heinz Wenzel ist mit Recht empört bei dem Gedanken, daß er mit dem tarantel-Chef, der sich Heinrich Bär nennt, verwechselt werden könnte. Daß Bärs bürgerliche Name „Karl-Heinz Wenzel“ sei, steht in der Zehnjahresschrift der Tarantel. Aber es ist trotzdem falsch. Der Chef, der sich Heinrich Bär nennt, heißt zwar tatsächlich Wenzel, aber mit Vornamen Heinz-Wilhelm.

Der Fall tarantel-press scheint uns noch nicht damit erledigt, daß niemand es gewesen sein will. Er muß weiterverfolgt werden.

Zum Fall Arnold Zweig schließen sich alle von uns, die auch nur eine Minute lang die Brief-Fälschungen für echt gehalten haben mögen, gern Günter Grass an, der sich, wo nicht im Auftrag, so doch zu Recht im Namen der deutschen Schriftsteller, bei Arnold Zweig entschuldigt hat.

Nach all dem soll festgehalten werden, daß dem Juden Arnold Zweig seine Stellungnahme zum Staat der Juden schwergefallen und schwergemacht worden ist.